EM in Tirol: Mit einer ruhigen Kugel zum krönenden Abschluss

Ab heute regiert die Boccia-EM in Innsbruck: Für den Innsbrucker Niki Natale (66) wird es der Schlusspunkt einer weltmeisterlichen Karriere.

Tirols Boccia-Aushängeschilder: Niki Natale.
© Thomas Boehm / TT

Von Daniel Suckert

Innsbruck –Neun Jahre ist es schon wieder her, seit Niki Natale für Österreich in der Ewigen Stadt, in Rom, den WM-Titel einfuhr. In dieser Woche führt er die rotweißrote Mannschaft zusammen mit seiner Teamkollegin (ESK Tivoli) Beate Reinalter und den zwei Vorarlbergern Andrea Steininger und Wolfgang Philipp bei der Europameisterschaft an. Die findet passenderweise vor der Haustüre in Innsbruck auf seiner Heimbahn statt. Einen schöneren Abschluss kann sich der 66-Jährige nicht wünschen.

Spricht man im Sport von einer EM, dann denkt man zumeist an pompöse und finanz­intensive Veranstaltungen. Nicht so beim Boccia. Da regiert eine familiäre Atmosphäre. Obwohl 96 Spieler aus 15 Nationen in fünf Bewerben (Herren, Damen Einzel – Herren, Damen Doppel; Mixed) an den Start gehen werden. In der Halle des ESK Tivoli hat man sogar Zusatztribünen aufgebaut, um 120 Zuschauer empfangen zu können. Die Aktiven müssen alle verköstigt und untergebracht werden – die Kosten der Veranstaltung belaufen sich trotzdem nur auf 60.000 Euro.

Beate Reinalter.
© Thomas Boehm / TT

„Ich bin leicht nervös, das muss ich schon sagen“, erklärte Natale mit einem Lächeln auf den Lippen. „Daheim will man meistens zu viel und es gibt nichts Schwierigeres als einen Heimtriumph.“ Da wirkt Kollegin Reinalter schon etwas entspannter. „Noch“, wie die 59-Jährige betonte. „Die Vorfreude ist groß.“

Von der Heim-Veranstaltung und der Aussicht, dass Boccia ab dem Jahr 2024 ins olympische Programm aufgenommen werden könnte, erwartet man sich in unseren Breitengraden einen Schub in Sachen Nachwuchs. Denn da sieht es leider nicht gut aus. Reinalter: „Zurzeit habe ich vier, fünf Junge, die recht gut mitziehen. Dadurch, dass bald Junioren-Europameisterschaft und im nächsten Jahr eine WM anstehen, sind sie noch mehr motiviert.“

Boccia ist sehr oft Zentimeter-Arbeit. Und recht einfach zu verstehen: Die große muss so nahe wie möglich an die kleine Kugel.
© Thomas Boehm / TT

Bleibt nur die Frage, ob sie auch nach der Pubertät noch eine ruhige Kugel schieben wollen. Einen Mitgrund für das Problem mit den fehlenden Erfolgsgaranten von morgen sieht Natale bei den mangelnden Turnieren: „In meiner Heimat in Italien spielt man jedes Wochenende Turniere, teilweise vor bis zu 3000 Zuschauern. Wir hier spielen oft nur drei im Jahr.“ Abgesehen von der Nachwuchsfrage sind Niki Natale und Co. schon gespannt auf die Neuerung in ihrem Sport. Das „Zeitspiel“ ist in den Mittelpunkt gerückt:

Sind früher Partien teilweise bis zu zwei Stunden gegangen, ist nun in 45 Minuten alles erledigt. Beate Reinalter weiß: „Das hat man gemacht, damit Boccia olympisch werden kann.“

Ob und wie viele Medaillen das österreichische Team gewinnen kann, da will man sich (noch) nicht festlegen. „Wir sind unter den fünf, sechs Favoriten“, erklärte Niki Natale, der sich selbst nicht zu viel Druck auferlegen will. Schließlich wird es sein letztes Turnier sein.

Boccia-EM in Zahlen:

Boccia-Europameisterschaft, Eröffnungsfeier: Heute, 17.30 Uhr.

Turnierdauer: Mi (11.9.; 10 Uhr) bis Sa (14.9.; abends).

Veranstalter: Österreichischer Bocciaverband (ÖBV) und ESK-Tivoli (Gründung 1952; Obmann Hannes Höfer).

Ort: Bocciahalle ESK Tivoli (Bleichenweg, Innsbruck).

Freier Eintritt.

Der Mann für alle Fälle bei der EM: Peter ?Schnooly? Köll. Für jede teilnehmende Nation wurde ein Schild produziert.
© Thomas Boehm / TT

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