Fall Kuhn: Staatsanwalt muss weiter ermitteln

Das Justizministerium verlangt zusätzliche Erhebungen. Die Entscheidung der Anklagebehörde verzögert sich.

Gustav Kuhn wird von Künstlerinnen schwer belastet.
© Rudy De Moor / TT

Wien, Innsbruck –Seit mehr als einem Jahr ist die Causa Gustav Kuhn bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck anhängig. Ob sich der Ex-Intendant der Festspiele Erl strafrechtlich vor Gericht verantworten muss, ist aber immer noch offen. Aufgrund der Brisanz der Causa, die über Tirol hinaus Wellen schlug, musste die Staatsanwaltschaft dem Justizministerium in Wien ihren Vorhabensbericht zur Genehmigung übermitteln.

Das geschah Anfang Mai 2019. Einige Monate später ist die Akte Kuhn nun zurück in Innsbruck. Das Ministerium hat der hiesigen Anklagebehörde weitere Ermittlungen aufgetragen. „Es sind von uns weitere Künstlerinnen einzuvernehmen“, erklärt Hansjörg Mayr, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der TT. Überdies muss die Entscheidung der Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt genauer eingesehen werden. „Dabei geht es um die Frage, ob aus dieser Entscheidung auch strafrechtlich Relevantes hervorgeht“, erläutert Mayr.

Die Gleichbehandlungskommission belastet Gustav Kuhn in ihrem Anfang Juli bekannt gewordenen Gutachten schwer. Kuhn habe demnach Künstlerinnen durch „unerwünschte Aussagen und Berührungen“ sexuell belästigt.

Kuhn ließ diese Einschätzung durch seinen Anwalt Michael Krüger zurückweisen. Entlastungszeugen, die Kuhn aufbieten wollte, seien von der Kommission nicht angehört worden. Kuhn, vormals quasi Alleinherrscher in Erl, musste unter dem Druck von Vorwürfen letzten Oktober als Dirigent und Intendant zurücktreten. Fünf Künstlerinnen legten ihm per offenem Brief „sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch“ zur Last.

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck wird nun die zusätzlichen Vorgaben des Justizministeriums abarbeiten. Danach muss das geplante weitere Vorgehen erneut vom Ministerium abgesegnet werden. Es dürfte also noch einige weitere Zeit verstreichen.

Staatsanwalt Mayr betont, dass ein sexueller Übergriff im strafrechtlichen Sinn anders definiert sei als im Gleichbehandlungsgesetz: „Nach dem Gleichbehandlungsgesetz gelten auch verbale Äußerungen als sexuelle Belästigung. Nach dem Strafrecht muss es dazu schon zu körperlichen Übergriffen kommen.“

Für Gustav Kuhn gilt die Unschuldsvermutung. (mark)


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