Innenpolitik

Ibiza und Straches korruptes Innenleben

Szene aus dem verhängnisvollen Video mit Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus (l.).
© SPIEGEL/S†DDEUTSCHE ZEITUNG

Vor vier Monaten wurde Österreich radikal auf den Kopf gestellt. Der damalige Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beendete seine auf zwei Legislatu...

Vor vier Monaten wurde Österreich radikal auf den Kopf gestellt. Der damalige Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beendete seine auf zwei Legislaturperioden angelegte rechtskonservative Koalition mit der FPÖ nach nur 18 Monaten. Deshalb wird in zwei Wochen der Nationalrat neu gewählt — und die FPÖ-Funktionäre wählten heute mit Norbert Hofer einen neuen Parteiobmann.

Vor vier Monaten, am 17. Mai, veröffentlichten die Süddeutsche Zeitung und Der Spiegel nach monatelangen Recherchen das seither so genannte „Ibiza-Video". Hauptdarsteller der geheimen Aufnahmen in einer Villa auf der Baleareninsel waren der damalige Vizekanzler und FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache und FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus sowie eine vermeintliche Nichte eines russischen Oligar­chen.

Strache und Gudenus waren zur Zeit der Aufnahme noch Oppositionspolitiker. Doch alle Umfragen sahen die FPÖ Monate vor der 2017er-Wahl auf dem Sprung in die Bundesregierung.

Der Videomitschnitt offenbarte das korrupte Innenleben Straches. Er legte als Gegenleistung für einen politischen Erfolg der angeblichen Oligarchennichte „halb Österreich zu Füßen" (Süddeutsche Zeitung). Strache informierte den Lockvogel über die Möglichkeiten illegaler Parteispenden, er bot ihr Regierungsaufträge in Millionenhöhe an — und er wurde selig, als die Übernahme der Kronen Zeitung zur Sprache kam. „Wenn sie die Kronen Zeitung übernimmt, drei Wochen vor der Wahl, und uns zum Platz eins bringt, dann können wir über alles reden", sagte Strache. Am Tag nach der Veröffentlichung erklärten Strache und Gudenus ihren Rücktritt. (misp)