Weiter Kritik an Gewaltschutzpaket

Die Kritik am Gewaltschutzpaket, das ÖVP und FPÖ diese Woche im Nationalrat beschließen wollen, reißt nicht ab. Am Montag haben die Österreichischen Kinderschutzzentren ihre Ansicht bekräftigt, dass die geplante Ausweitung der Anzeigepflicht auf Psychologen und Psychotherapeuten das Kindeswohl bedrohe.

Ein Strafverfahren setze voraus, dass Kinder sich jemandem anvertrauen. Die Aufgabe der Fachperson sei es, erst den Schutz des Kindes sicher zu stellen und dann mit Bedacht die nächsten Schritte zu setzen. „Diese Rolle widerspricht der Rolle einer AkteurIn, die aktiv eine Anzeige macht und damit - aus der Sicht des Kindes - mitverantwortlich ist für die Konsequenzen, die ein Strafverfahren mit sich bringt und wo auch erneute Belastungen für das Kind auftauchen können“, hieß es.

Statt einer Änderung der Anzeigepflicht brauche es unter anderem verbindliche Strukturen für die Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Akteuren im Kinder- und Jugendhilfebereich sowie die Finanzierung einer Fachberatung in Kinderschutzzentren für alle Berufsgruppen, die einen Verdacht auf Gewalt haben, fordert der Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren.

Auch der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) übte scharfe Kritik an der geplanten Anzeigepflicht für Gesundheitsberufe. In einem Offenen Brief an die Nationalratsabgeordneten warnt der Verband davor, die Verschwiegenheitspflicht in eine Meldepflicht umzuwandeln. Die Verschwiegenheitspflicht abzuschaffen und ins Gegenteil zu verkehren, würde potenzielle Gewalttäter vor offenen und ehrlichen Gesprächen mit Psychotherapeuten abschrecken, hieß es in dem Schreiben.

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Die geplante Gesetzesänderung berge somit das Risiko eines Anstiegs an Gewalt. Auch Opfer von Gewalt müssten darauf vertrauen können, dass „sowohl die körperliche als auch die psychische Wiederherstellung nach einem traumatischen Ereignis in vertrauensvoller Umgebung stattfindet und nicht durch die Angst vor einem Verfahren gefährdet ist“.


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