Coworking-Räume in Schwaz: Ein Büro, das verbinden soll

Unternehmer, denen zuhause die Decke auf den Kopf fällt, können sich in Cowork-Büros in Schwaz und Uderns einmieten. Der Bedarf ist da, nur die Bereitschaft wohl noch nicht.

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Im Raum13 in Schwaz arbeitet zwar jeder für sich, aber man ist trotzdem nicht alleine im Büro.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz –Eigentlich sollte es ein Platz sein, wo ruhiges, konzentriertes Arbeiten und ein kreativer Austausch mit anderen zugleich möglich ist. Eigentlich. Denn im Moment herrscht in den beiden Cowork-Plätzen in Schwaz und Uderns mehr Ruhe als geselliger Austausch. Doch das würden die jeweiligen Betreiber gerne ändern.

Es ist nicht so, dass in den beiden Büros nichts los wäre, aber so genannte Cowork-Spaces bieten nicht nur einen Arbeitsplatz für jedermann, sondern auch einen Raum zum Netzwerken. Es ist eine Art offenes Büro, wo man sich einmieten kann. Vor allem Ein-Mann-Unternehmen oder Start-ups sind oft froh, vom heimischen Küchentisch wegzukommen und neben anderen kreativen Köpfen ihre Arbeit zu machen.

Eine gute Idee, wie auch WK-Bezirksstellenleiter Stefan Bletzacher findet. „Nur der Raum alleine ist vielen zu wenig, vor allem, wenn dann niemand drinnensitzt“, meint Bletzacher. Der Austausch mit anderen sei bei diesen offenen Büros für einzelne Arbeiter wichtig. Laut Herwig Zöttl (er betreibt den Raum13 in Innsbruck und Schwaz) ist der Bedarf für solche geteilten Büros da. „Aber die Leute haben das noch nicht so für sich entdeckt, dass sie so etwas brauchen“, meint Zöttl.

Laut WK Schwaz gab es im Vorjahr 292 neu gegründete Unternehmen im Bezirk. Und mehr als die Hälfte aller Firmen im Bezirk sind laut der Statistik 2018 Ein-Personen-Unternehmen. Das heißt, rund 2603 Firmen bestehen aus nur einer Person. „Das sind oftmals auch Leute, die das im Nebenerwerb machen“, sagt Bletzacher. Die Zahlen zeigen: Die Zielgruppe für Coworking-Büros gibt es im Bezirk.

Schwaz: Vor etwa einem Jahr initiierte die Stadt Schwaz mit dem Cowork-Experten Zöttl den Raum13 in Schwaz. Auf zwei Stockwerken bieten sich über 20 Arbeitsplätze, Besprechungsräume und eine Küche an. Derzeit seien vier bis fünf Coworker eingemietet. Spontan und flexibel können sie jederzeit ihren Arbeitsplatz dort nutzen – inklusive der Infrastruktur. „Wer von zuhause aus arbeitet, muss sich um alles selbst kümmern. Bei uns wird alles gestellt. Von Strom und Internet bis zu Drucker oder Klopapier ist alles da. Nur noch arbeiten muss man selbst“, sagt Zöttl mit einem Augenzwinkern. Es gebe immer wieder Leute, die sich nur tageweise einmieten, andere, weil sie die Besprechungsräume brauchen. Mittlerweile sitzt auch das Regionalmanagement Schwaz-Achental mit zwei Arbeitsplätzen im Raum13. Ein echter Gewinn, wie Zöttl findet. Genauso wie der Proteindrink-Hersteller Marco Perner, der bereits bei der TV-Sendung „2 Minuten 2 Millionen“ zu sehen war. Froh über den gemütlichen Platz im Raum13 ist auch eine Personalrecruiterin. Zöttl weiß, dass sich so ein Büro nicht von heute auf morgen füllt. Doch das Interesse könnte größer sein. „Viele wissen nicht, dass sie sich das einfach so mal anschauen und auch mal auf Probe hier arbeiten können.“

Für Wirtschaftsreferent VBM Martin Wex ist die Lage des Raum13 derzeit „befriedigend“. Das Projekt sei ausfinanziert und einen Leerstand wolle man definitiv vermeiden. Aber das Cowork-Büro sei „absolut ausbaubar“. Laut Wex gibt es Gespräche über ein Projekt mit Jugendlichen, und die Stadt wolle generell künftig mehr Druck auf die Auslastung im Raum13 machen. Bisher sei das nicht passiert. Auch seitens der WK ist es seit der Eröffnung vor einem Jahr ruhig geworden. „Der Austausch ist danach abgebrochen“, gibt Bletzacher zu. Doch das wolle man bald ändern – zeigen Stadt und WK auf.

Zillertal: Großzügige Räume, ein Blick ins Grüne, Tiefgaragen-Stellplätze, schnelles Internet und alles Drum und Dran wird auch in Uderns für Unternehmer geboten. „Der Anfang war sehr schleppend, aber schön langsam wird’s besser“, sagt der Unternehmer Gerhard Schiestl. Drei von zehn Arbeitsplätzen sind derzeit belegt. Die Idee des geteilten Arbeitsplatzes kommt laut ihm eher bei den jüngeren Unternehmern an. „Viele sind es gewohnt, ihr eigenes Büro zu haben. Aber es geht ja auch um den Austausch. Die Jungen sind da offener“, sagt er. Die Idee verwerfen wolle er nicht – „das wird halt etwas Zeit brauchen, bis so etwas hier ankommt“.


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