Wattener Dorfkern soll wieder Ort der Begegnung werden

Nach sechs Monaten Bauzeit wurde gestern der neue Wattener Kirchplatz eröffnet – samt Begegnungszone und Integration der Bundesstraße.

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Mit einem schneidigen landesüblichen Empfang wurde der neu gestaltete Kirchplatz samt Begegnungszone gestern feierlich eröffnet.
© Amir Beganovic

Von Michael Domanig

Wattens –BM Thomas Oberbeirsteiner sprach in seiner Eröffnungsrede gestern von einem „Meilenstein in der Dorfentwicklung“, einem „mit vielen Emotionen behafteten Großprojekt“, gar von einer „Operation am offenen Herzen“. Was er damit meinte? Die komplette Neugestaltung des Kirchplatzes und damit der Ortsmitte von Wattens.

Verkehrstechnisch wurde der „Kirchplatz neu“ als Begegnungszone ausgeführt, mit Tempo 20, Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer und Barrierefreiheit. Der Platz bleibt in beide Fahrtrichtungen geöffnet, nur das Abbiegen von Westen kommend ist nicht mehr erlaubt.

Mit Bäumen (vier Sommerlinden), Sitzgelegenheiten aus Zirbenholz und dem schlichten „Jakobsbrunnen“ soll der Kirchplatz seinen Platzcharakter zurückbekommen. „All das gab es hier schon einmal“, sagt Oberbeirsteiner – bis auf die nächtliche Beleuchtung von Platz und Fassaden mittels LED-Technologie.

Tirolweit neu ist, dass die angrenzende, Wattens trennende Bundesstraße baulich und verkehrstechnisch in den Kirchplatz integriert wurde, sie wird nun quasi über den Platz geführt. Die Pflasterung aus Granit (wie am Platz selbst) soll den Verkehr auf die hier vorgesehenen 30 km/h bremsen. Zwei ebenfalls gepflasterte Fußgängerübergänge sollen Ober- und Unterdorf näher zusammenführen.

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Das übergeordnete, aus der „Vision Wattens“ abgeleitete Ziel sei es, den Dorfkern wieder zu einem Ort der Begegnung zu machen, also die Aufenthaltsqualität und Frequenz zu erhöhen, erklärt Oberbeirsteiner: „Das Leben soll nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden, sondern im öffentlichen Raum.“ Dazu ist auch eine aktive Bespielung des Platzes, etwa mit Konzerten und Kunstaktionen, geplant. Das direkt anschließende – erst vor einem Jahr eröffnete – Museum Wattens spielt im Gesamtkonzept der Ortskernbelebung ebenfalls eine zentrale Rolle. Nicht zuletzt die Tausenden Einpendler (davon gibt es in Wattens mehr als ansässige Arbeitskräfte) will man verstärkt ins Zentrum holen.

Auch der Zugang zur über 700 Jahre alten Laurentiuskirche wurde neu gestaltet – mit einer großzügigen Stiege samt integrierten Sitzgelegenheiten öffnet sie sich wieder stärker zum Kirchplatz hin. Erstmals ist die Kirche zudem barrierefrei zugänglich.

Die Bauarbeiten (Gesamtinvestition: ca. 2 Mio. Euro) liefen seit März 2019, rund drei Monate lang musste die Bundesstraße gesperrt werden. Dies sorgte für Diskussionen, hatte laut Oberbeirsteiner aber viele Vorteile: Die Ausführung „in einem Zug“ habe Baukosten und -zeit deutlich reduziert, zugleich die Qualität des Unterbaus erhöht. Ohne Verkehr sei die Baustelle auch viel sicherer gewesen. Und: „Das große Chaos ist ausgeblieben.“

Teilweise klagten Wattener Anrainer und Wirtschaftstreibende über Belastungen bzw. Geschäftsentgang. „Die Kaufmannschaft wurde intensiv in den Entstehungsprozess eingebunden“, stellt Oberbeirsteiner klar, aber natürlich bringe jede Baustelle auch Umsatzeinbußen mit sich. „Nicht alle, aber sehr viele“ hätten „Toleranz und Verständnis“ gezeigt, dafür dankte er gestern ausdrücklich. Und der Ortschef ist zuversichtlich, dass vom neuen Gesamtensemble „alle profitieren“ werden.

Gefeiert wurde die Eröffnung gestern mit einem landesüblichen Empfang durch die Swarovski Musik Wattens und die Rettenberger Schützenkompanie Wattens-Wattenberg, einem bunten Straßenfest und einer Genuss- und Shoppingmeile der Kaufmannschaft. Pfarrer Alois Juen segnete den Platz. Im Beisein vieler Ehrengäste – darunter LR Hannes Tratter sowie Altbürgermeister Franz Troppmair mit Gattin Maria – gab es sogar eine musikalische Uraufführung: „Fanfara d’Incontro“ heißt das eigens komponierte Werk von Hermann Pallhuber, also „Fanfare der Begegnung“.

Brunnen, Sommerlinden und Sitzbänke sollen das neue, bis über die Bundesstraße hinaus ausgedehnte Platzensemble einladend machen.
© Amir Beganovic

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