Erfinderpreis 2019: Kunststoff wird zu Pellets

Die Innovatoren des Kunststoffrecyclings Klaus Feichtinger und Manfred Hackl erhalten den Erfinderpreis 2019.

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Manfred Hackl (l.) und Klaus Feichtinger wollen mit ihrem preisgekrönten Patent das Recycling von Kunststoff vereinfachen.
© EPA

Innsbruck, Wien –Noch gilt Kunststoffrecycling als weitaus komplexer als die Verarbeitung von Materialien wie Glas und Metalle. Während diese zur Wiederverwendung nur sortiert, gereinigt und geschmolzen werden müssen, erfordert Kunststoffrecycling ein spezifisches Verfahren, um wiederverwertbares Material zu gewinnen. Deshalb werden von den 58 Millionen Tonnen Kunststoffabfällen, die jedes Jahr in der EU anfallen, auch nur 30 Prozent recycelt. Klaus Feichtinger und Manfred Hackl entwickeln und bauen modernste Recycling-Maschinen. Diese Maschinen bewegen, sortieren und filtern Kunststoffmaterial und liefern am Ende hochwertige Pellets, die zur Herstellung neuer Produkte verwendet werden können.

Eine Kernkomponente dieser Recyclingmaschinen – und auch die Grundlage für die Nominierung für den Europäischen Erfinderpreis 2019 – ist die Gegenstromtechnologie von Feichtinger und Hackl: Abfallmaterial wird in einen Extruder geleitet und in die entgegengesetzte Richtung zum Fluss der Extruderschnecke gedreht. „Es ist ein bisschen so, wie wenn man an einem Bach sitzt, einen Becher nimmt und ihn entweder in Fließrichtung füllt – dann ist das Gefäß nur teilweise voll – oder es gegen die Fließrichtung ins Wasser hält – so ist der Becher die ganze Zeit vollständig gefüllt“, erklärt Hackl. Dank dieser Methode können mehr Abfallstoffe schneller als bisher und bei niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden. Dieser Ansatz macht Kunststoffabfälle somit zu einer wertvollen Ressource.

Weiterer Pluspunkt: „Unsere Maschinen recyceln Kunststoff zu Pellets, ohne die Umwelt zu belasten“, sagt Feichtinger. „Die Pellets werden anschließend zu neuen, alltäglichen Produkten verarbeitet.“ Das bedeutet, dass die Maschinen auch die Kreislaufwirtschaft in der Branche fördern. Vermarktet wird die Technologie über die Erema, eine Tochtergesellschaft der Erema-Gruppe. Derzeit sind mehr als 6000 Erema-Recyclingsysteme in 108 Ländern in Betrieb. Produziert werden jährlich mehr als 14,5 Millionen Tonnen Kunststoffpellets, was das Unternehmen nach eigenen Angaben zum Weltmarktführer in der Entwicklung und Produktion von Kunststoff-Recyclingsystemen macht. Das Ziel von Feichtinger und Hackl ist es, Kunststoffrecycling in Zukunft so selbstverständlich und weit verbreitet zu sehen wie die Wiederverwertung von Papier oder Glas. Damit soll die Nutzung von Kunststoff grundlegend verändert werden. (ver)

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