Geoforum in Niederthai: Nicht alles kommt vom Klimawandel

Am 17. und 18. Oktober findet in Niederthai bei Umhausen das 21. Geoforum statt. Die Schwerpunkte der Fachvorträge kreisen um Trinkwasser und Massenbewegungen. Auch der Faktor Mensch spielt eine Rolle.

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"Viele unserer Probleme treten auch auf, weil wir insgesamt gesehen verwundbarer geworden sind", sagt Gunther Heißel , Präsident des Geoforums.
© Paschinger

Von Alexander Paschinger

Niederthai –Gott sei Dank blieb man im abgelaufenen Jahr in Tirol von ganz großen Felssturzereignissen verschont. „Dafür gab es viele kleinere – aber mit großen Auswirkungen“, erinnert Gunther Heißel etwa an die mehrtägige Sperre der Straße hinein nach Vent. Oder auch an die Hochwassersituationen im Unterland im Zuge der Schneeschmelze. „Nicht auszudenken, wenn es dazu noch geregnet hätte.“

Dabei ist Heißel heuer mehr ein interessierter Beobachter der Entwicklungen. Denn als Landesgeologe ist der 66-jährige Rietzer mit Jahresbeginn in Pension gegangen. Seine Funktion als Präsident des Geoforums Umhausen hat er freilich noch inne. Und als solcher ist er derzeit voll eingebunden in das bereits 21. interdisziplinäre Treffen in Niederthai, das heuer am 17. und 18. Oktober stattfindet.

Die Fachvorträge wurden von Petra Nittel-Gärtner aus dem Team des neuen Landesgeologen Thomas Figl koordiniert. Die Schwerpunkte liegen einmal mehr auf den Themen Trinkwasser und Massenbewegungen. Schon der erste Vortrag wird sich mit einem Bericht zum Tiefbrunnen für Kematen befassen, das zweite Referat stellt die Frage, inwiefern sich die Wasserqualität in österreichischen Quellen infolge des Klimawandels ändern wird.

Der Geologe Ruedi Krähenbühl stellt im öffentlichen Abendvortrag beim Geoforum die Frage: "Wohin bewegt sich unsere Umwelt?"
© Krähenbühl

Die Liste der Fachvorträge hat sich gegenüber denen in den vergangenen Jahren stark verkürzt. „Wir wollten mehr Zeit zum Diskutieren und den Zeitplan etwas auflockern“, erklärt Nittel-Gärtner. „Es war schon so, dass teilweise die Besucher für den Abendvortrag draußen warten mussten, weil drinnen die Forumsteilnehmer noch diskutierten“, ergänzt Heißel. An Themen und Interesse mangle es jedenfalls nicht.

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Der öffentliche Abendvortrag wird heuer vom Graubündner Geologen Ruedi Krähenbühl bestritten, der auch einen Fachvortrag über das „Vermitteln komplexer Sachverhalte“ hält. Das Publikum beim öffentlichen Abendvortrag am Donnerstag, den 17. Oktober, um 19 Uhr will er mit der Frage „Wohin bewegt sich unsere Umwelt?“ in den Bann ziehen. Krähenbühl zeigt dabei auf, dass sich die Welt seit Urzeiten ständig bewegt und verändert. Anhand einer Massenbewegung wird er „das Dilemma von Naturgewalten, Prognosen und des Wirkens des Menschen im Detail“ aufzeigen, verspricht Heißel.

Und Tirols ehemaliger Landesgeologe betont, dass nicht alles allein vom Klimawandel komme: „Viele unserer Probleme treten auch auf, weil wir insgesamt verwundbarer geworden sind.“ Beispiel: Als in Osttirol vor vielen Jahren Bergbauernhöfe wegen Muren abgeschnitten waren: „Die alten Fußwege führten sicher über die Bergrücken talwärts – die Straßen gehen aber durch Gräben.“ Der Verkehr habe zugenommen, Mobilität sei das Credo – „auch dadurch sind wir verwundbar geworden“, so Heißel.


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