Paris: Demo gegen Gesetzesreform zu künstlicher Befruchtung

  • Artikel
  • Diskussion

Zehntausende Franzosen sind am Sonntag gegen ein neues Gesetz auf die Straße gegangen, das künftig auch Lesben und alleinstehenden Frauen den Weg zu einer künstlichen Befruchtung freimachen soll. Mit Fahnen mit der Aufschrift „Freiheit, Gleichheit, Vaterschaft“ marschierten die Demonstranten durch Paris.

Für die Demonstration des Bündnisses „La Manif pour tous“ („Demo für alle“) versammelten sich rund 74.500 Menschen in Paris, wie der Nachrichtensender Franceinfo am Sonntag unter Berufung auf das Forschungs- und Beratungsunternehmen Occurrence berichtete, das die Teilnehmer zählte. Die Organisatoren selbst sprachen von einer weitaus höheren Teilnehmerzahl. Rund 600.000 Menschen hatten sich nach deren Angaben an dem Protest beteiligt, wie der Sender BFMTV berichtete. Eine offizielle Zahl des Innenministeriums lag zunächst nicht vor.

Die Demonstranten hatten sich am Jardin du Luxembourg in der Nähe des französischem Senats versammelt. Das Bündnis demonstriert gegen eine Gesetzesnovelle, durch die auch lesbischen Paaren und unverheirateten Frauen eine künstliche Befruchtung in Frankreich erlaubt werden würde.

Das Bündnis argumentiert, eine solche Regelung würde die Kinder nicht nur des Vaters, sondern der gesamten väterlichen Familie berauben. Es sei noch nicht zu spät, die Gesetzesreform zu stoppen, sagte Ludovine de la Rochère, Präsidentin des Bündnisses „La Manif pour tous“, BFMTV am Sonntag. Das Bündnis setze sich für die Generation von morgen ein, so de la Rochère. An „La Manif pour tous“ beteiligten sich rund 20 verschiedene Organisationen. Sie stammen zum großen Teil aus dem konservativen Spektrum.

TT-ePaper gratis lesen und Weber-Grill gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Die französische Nationalversammlung hatte Ende September den entsprechenden Artikel gebilligt, der Teil eines neuen Bioethikgesetzes werden soll. Bisher ist die künstliche Befruchtung nur heterosexuellen Paaren erlaubt, die keine Kinder zeugen können. Sie müssen verheiratet sein oder mindestens zwei Jahre zusammenleben. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn strebt der Nachrichtenagentur AFP zufolge eine endgültige Umsetzung des Gesetzes bis zum kommenden Sommer an.

Das Bündnis „Manif pour tous“ hatte vor sechs Jahren Hunderttausende Menschen gegen die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe mobilisiert. Wochenlang gab es Massenproteste, die Demonstranten lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei.


Kommentieren