Fünffachmord aus Eifersucht: Kitzbühel trägt Trauerflor

In Kitzbühel ist die Betroffenheit über den Fünffachmord groß. Parallel zu den Ermittlungen der Polizei läuft die psychologische Betreuung durch das Rote Kreuz auf Hochtouren.

In diesem Haus in Kitzbühel-Vordergrub ereignete sich die Bluttat.
© ZOOM.TIROL

Von Harald Angerer und Jasmine Hrdina

Kitzbühel — Für gewöhnlich zeigt sich die Gamsstadt im Herbst ruhig und beschaulich. Doch gestern war alles anders. Der Fünffachmord ließ Kitzbühel in eine Art Schockstarre verfallen. „Ich kann es gar nicht fassen", sagt ein Spaziergänger, der gerade durch die Stadt schlendert. Fünf Einheimische, brutal aus dem Leben gerissen von einem 25-jährigen Mann, der ebenfalls aus Kitzbühel stammt. Alle, Opfer wie Täter, entstammen angesehenen Familien. „Es gibt wohl keinen in Kitzbühel, der nicht irgendwie mit einer der beiden Familien zu tun hatte", betont ein weiterer Kitzbüheler.

Das fordert auch die Experten des Kriseninterventionsteams (KIT) des Roten Kreuzes. „Einen solch großen Einsatz hatten wir im Bezirk noch nie", erklärt Gerhard Müller, organisatorischer Leiter des KIT im Bezirk Kitzbühel. In enger Zusammenarbeit mit der Polizei sei man dabei, die Verwandten der Betroffenen zu kontaktieren und auf Wunsch zu betreuen. Insgesamt sind es vier Teams aus dem Bezirk Kitzbühel mit 15 Personen und jeweils vier Personen aus dem Bezirk Kufstein und dem angrenzenden Pinzgau. Wie viele Personen betreut werden müssen, kann Müller noch nicht sagen: „Wir sind erst am Anfang."

Psychologische Hilfe benötigen auch die Ersthelfer, die zum Tatort geeilt waren. „Die Personen werden zwar darauf geschult, aber das ist schon eine schwierige Situation", betont RK-Bezirksleiter-Stv. Joachim Jochum.

Bei den Opfern handelt es sich um eine eingesessene Familie: Vater (59), Mutter (51), Sohn (25) und Tochter (19) sowie deren 24-jähriger Freund. Bei ihm handelt es sich um einen Eishockey-Goalie aus Oberösterreich, der bei den Black Wings Linz unter Vertrag stand und zuletzt bei den Adlern Kitzbühel spielte.

Wie der 25-jährige Kitzbüheler zur Schusswaffe kam, ist ebenfalls noch nicht restlos geklärt. Sie gehöre laut Aussagen der Polizei dem Bruder des Täters. „Der hat die Waffe legal besessen, sie ist registriert", berichtete Pupp im Rahmen einer eilends einberufenen Pressekonferenz. Der Bruder befinde sich derzeit im Ausland, die Pistole soll in einem Safe verwahrt gewesen sein. Wie der Täter sich Zugang verschaffen konnte, sei noch Teil der Ermittlungen. Fest stehe allerdings, dass die Personen mit dieser Schusswaffe getötet wurden. Welche Rolle ein Messer spielte, das der Täter ebenfalls bei sich trug, als er sich auf der Wache meldete, ist noch unklar.

Notruf ging bei der Polizei übrigens keiner ein. Zwar dürfte ein Nachbar einen Schuss gehört haben, aber „es ist wohl alles sehr schnell gegangen", sagt Bezirkspolizeikommandant Martin Reisenzein.

om Rathaus wehte die schwarze Fahne als Zeichen der Trauer.
© Jasmine Hrdina

Gestern Nachmittag war es dann wieder ruhig in Vordergrub, einer Siedlung am Fuße des Kitzbüheler Horns. Nur ganz wenige Menschen wagten sich an diesem verregneten Tag auf die Straße. „Wir können da nicht viel sagen. Nur so viel: Es war eine sehr nette und anständige Familie. Vor allem die Kinder waren sehr nett", betonen zwei Nachbarn. Besonders betroffen wirkt der Chef des 19-jährigen Mädchens. „Sie war eine großartige Mitarbeiterin, man konnte sich keine bessere wünschen. Das ist wirklich sehr schlimm."

„Das ist ein Trauertag für Kitzbühel"

Von der fürchterlichen Tat sichtlich getroffen war gestern auch Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler. „Es ist eine unfassbare Tragödie, die es in einem solchen Ausmaß in Kitzbühel noch nie gegeben hat", erklärte er in einer ersten Stellungnahme und fügt hinzu: „Das ist ein Trauertag für Kitzbühel."

Winkler betont, dass Opfer und Täter aus angesehenen Kitzbüheler Familien stammen würden. „Die ganze Stadt ist in Trauer", sagte der Gemeindechef. Aus diesem Grund habe man sich auch entschieden, das Rathaus schwarz zu beflaggen. „Das ist normalerweise nicht üblich, aber bei einer Tragödie solchen Ausmaßes, die ganz Kitzbühel betroffen macht, angebracht", betont BM Winkler.

Auch Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) meldete sich via Facebook zu Wort. „Eine schreckliche Tragödie hat sich heute Nacht in Kitzbühel ereignet. Es sind Nachrichten, die einen sprach- und fassungslos zurücklassen. In diesen schweren Stunden sind meine Gedanken bei den Angehörigen und Freunden der Opfer", postete er.

Erschüttert zeigt sich auch Stadtpfarrer Michael Struzynski. „Da fehlen mir die Worte, es ist unfassbar. Ich bete für die Opfer, den Täter und seine Familie", sagt er und erinnert sich: „Ich hab' das Mädchen getauft." Kitzbühel werde lange brauchen, um diese Tragödie aufzuarbeiten. (aha)


Schlagworte