Voraussichtlich knappes Ergebnis bei Wahl im Kosovo

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Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Kosovo zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen dreier Parteien ab. Die teilweise Auszählung der Stimmen legte am Sonntagabend einen knappen Erfolg der bisherigen Opposition nahe. Die vorgezogene Wahl wurde erforderlich, weil der seit 2017 amtierende Regierungschef Ramush Haradinaj im Juli zurückgetreten war.

Nach Auszählung von 54 Prozent der Stimmen kam die moderat-konservative Demokratische Liga des Kosovos (LDK) auf 25,2 Prozent der Stimmen, wie die Zentrale Wahlkommission (CEC) mitteilte. Auf dem zweiten Platz folgte denkbar knapp die linksnationalistische „Vetevendosje“ („Selbstbestimmung“) mit 25,1 Prozent.

Die stärkste Regierungspartei, die Demokratische Partei des Kosovos (PDK), errang demzufolge 22 Prozent der Stimmen. Die Allianz für die Zukunft des Kosovos (AAK) von Ministerpräsident Ramush Haradinaj vereinigte 12,4 Prozent der Stimmen auf sich, ein Bündnis um die kleinere Partei Nisma 5,4 Prozent. PDK, AAK und Nisma hatten die bisherige Regierung gebildet. Sie wurde die „Kriegskoalition“ genannt, weil alle dieser Parteien aus der Aufstandsmiliz UCK hervorgegangen waren, die in den 1990er Jahren gegen die serbische Herrschaft gekämpft hatte.

Die Wahlbeteiligung lag laut Wahlkommission bei 44 Prozent und damit 2,5 Prozentpunkte höher als 2017. Haradinaj war aus dem Amt geschieden, weil er sich einer Befragung durch das Kosovo-Sondergericht in Den Haag unterziehen musst. Der ehemalige regionale Kommandant der Aufstandsmiliz UCK sieht sich mit Vorwürfen wegen Kriegsverbrechen in den 1990er Jahren konfrontiert.

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Die stärkste Partei erhält den Auftrag zur Regierungsbildung. Die LDK hat als Spitzenkandidatin Vjosa Osmani benannt, eine Top-Juristin mit großer internationaler Erfahrung. Sie ist außerdem die erste Frau, die in der jungen Geschichte des seit 2008 unabhängigen Landes für das höchste Regierungsamt kandidiert. Die LDK wurde von Ibrahim Rugova gegründet, der 2006 starb und in den 1990er Jahren den gewaltlosen Widerstand gegen die serbische Herrschaft angeführt hatte, an dem er auch festhielt, als die UCK 1998 ihren bewaffneten Aufstand startete.

Bereits vor den Wahlen war spekuliert worden, dass die bisherigen Oppositionskräfte LDK mit der 37-jährigen Vjosa Osmani und die Liste „Vetevendosje“ unter dem 44-jährigen Albin Kurti nach den Wahlen eine Koalition eingehen könnten. Verlässliche Ergebnisse des Urnengangs wurden erst für Montag erwartet, die Koalitionsverhandlungen könnten sich über Wochen hinziehen.


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