Causa Strache ist für die FPÖ noch nicht erledigt

Die Frau des Ex-Parteichefs könnte nun doch in den Nationalrat einziehen. Und dieser droht den vormaligen Polit-Weggefährten mit einer Klage.

Nun gibt es für Philippa Strache wohl doch ein Mandat. (Archivbild)
© APA

Von Karin Leitner

Wien –Das, was sich abgezeichnet hatte, ist passiert. Die Wiener FPÖ verwehrt Philippa Strache ein Nationalratsmandat. Damit wollen die Blauen den Schlussstrich unter die – für sie vermaledeite – Causa ziehen. Zuerst brachte sie Heinz-Christian Strache wegen des Ibiza-Videos in die Bredouille und aus der Regierung, dann kam die Spesen-Affäre des vormaligen Parteichefs und seiner Frau. Viele Stimmen hat das die Partei bei der Wahl gekostet. „Sauber“ müsse bei den Freiheitlichen fortan alles sein; das gelte es „glaubwürdig“ zu vermitteln, heißt es. Ganz wohl ist führenden Blauen ob des Neins zu Philippa Strache als Abgeordneter nicht. Kaum ist es ausgesprochen, ist ihr Gatte auch schon aktiv – wider die Partei. Strache lässt das Recht auf seine offizielle Facebook-Seite juristisch untersuchen – notfalls werde geklagt. Ob des Ibiza-Skandals sind ihm die Administratoren-Rechte für seine Facebook-Seite mit 790.000 Fans entzogen worden. Derzeit ist er lediglich „Redakteur“, die FPÖ prüft die Beiträge. Deren Proponenten fürchten auch anderweitig die Rache von Strache; er könnte Unangenehmes für Ex-Parteifreunde publik machen – und kein Polit-Pensionist sein, wie er vergangene Woche öffentlich beteuert hat.

Auf der privaten Facebook-Seite hat er einen Artikel der Zeitung epochtimes.de geteilt. Dessen Titel: „Totgesagte leben länger: Strache-Partei könnte es auf Anhieb in den Nationalrat schaffen.“

Tatsächlich könnte nun Straches Frau in diesen einziehen – weil die FPÖ wohl ein juristisches Detail nicht beachtet hat. Philippa Strach­e hatte auf Platz drei der Landesliste kandidiert, Harald Stefan auf Rang zwei. Über die Landesliste werden nur zwei Plätze vergeben. Die Wiener FPÖ hat entschieden, dass Stefan das Landeslistenmandat annimmt, nicht das Direktmandat aus dem Wahlkreis Wien Süd. Die Landeswahlbehörde lässt nun aber eruieren, ob Stefan nicht dieses zugewiesen werden muss. Das Innenministerium ist damit befasst. Eine Genugtuung für Strache, eine Blamage für die FPÖ. „Wilde“ Abgeordnete wäre Philippa Strache im Hohen Haus. In den FPÖ-Klub würde sie nicht aufgenommen.

Der soll fortan die Zentralstelle der Blauen sein – mit Herbert Kickl an der Spitze. Auf das gewohnte Oppositionsdasein richten sie sich ein. Mit kantiger Politik à la Kickl seien Anhänger, die bei der Wahl abhandengekommen sind, zurückzugewinnen, wird befunden. Als zuspruchsgeschwächte­r Partner der ÖVP in einer Regierung sei das nicht machbar. Dass sie letztlich doch wieder an koalitionärer Seite von Sebastian Kurz sind, schließen die Freiheitlichen aber nicht aus. Für den Fall, dass die ÖVP mit den Grünen nicht handelseins wird – und von einem Pakt der ÖVP mit der SPÖ geht die FPÖ nicht aus –, könnten sie zum Zug kommen, sagen Funktionäre. Einer fügt an: „Dann könnten wir uns viel teurer verkaufen, als das jetzt möglich wäre.“


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