Geplante Gletscherehe Pitztal-Ötztal als Kraftprobe

Die Landesregierung hat gestern eine Novelle des Landes-Polizeigesetzes zur Beschlussfassung in den Landtag geschickt. Wie berichtet, werden...

120 Millionen Euro sollen in die Gletscherfusion investiert werden. Jetzt startet eine Online-Petition dagegen.
© Thomas Boehm / TT

Die Landesregierung hat gestern eine Novelle des Landes-Polizeigesetzes zur Beschlussfassung in den Landtag geschickt. Wie berichtet, werden damit u. a. die Regeln für Hundehalter verschärft. So müssen alle Hunde künftig an öffentlichen Plätzen innerhalb geschlossener Ortschaften entweder an der Leine geführt oder mit einem Beißkorb versehen werden. Darüber hinaus haben sich Personen, die sich erstmals einen Hund zulegen, ab 1. April 2020 einem verpflichtenden Informationsabend zu unterziehen.

Diesbezüglich wittert die FPÖ aber bereits eine „Klientelpolitik auf dem Rücken der Hundebesitzer“ seitens der Wirtschaftskammer (WK), wie LA Alexander Gamper gestern erklärte. Denn die WK soll die landesweite Organisation dieser Kurse übernehmen, wie Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (VP) erklärte. Gamper sieht hierfür keine Notwendigkeit und verweist auf den Gebrauchshunde­sportverband (ÖGV) und Kynologenverband (ÖKV), die bereits flächendeckend vernetzt seien. Zudem solle mit der Tierärztekammer kooperiert werden. „Die Wirtschaftskammer soll sich um die Wirtschaft kümmern und nicht um die Hundeerziehung“, so Gamper.

Dass der geplante Neubau der Luegbrücke der Brennerautobahn die Bevölkerung im Wipptal noch mehr belasten werde, sei für ihn klar, sagt SP-Chef Georg Dornauer: „Wir rennen in der Transitfrage von einer Katastrophe in die nächste.“ Er kritisiert, dass Schwarz-Grün seinen Vorschlag für ein Tonnagelimit von 28 Tonnen abgelehnt hat.

Wie schon im Vorjahr hat der Oberländer Gerd Estermann eine Online-Petition gestartet. Ging es 2018 um die umstrittene Verbindung Hochoetz-Kühtai, die in der Folge auf Eis gelegt wurde, so wird jetzt gegen die Gletscherehe Pitztal-Ötztal mobilgemacht. Die Initiatoren gegen den geplanten Zusammenschluss haben die Petition, die sich an Landeshauptmann Günther Platter (VP), Umweltreferentin Ingrid Felipe (Grüne) und Raumordnungslandesrat Johannes Tratter (VP) richtet, gestern freigeschaltet. Sie bezeichnen die Liftverbindung als massiven Eingriff „in die hochalpine Natur unseres Landes. Gerade in Zeiten von Klimawandel und Gletscherschwund gilt es, die Reste dieser Urlandschaft zu bewahren.“

Ganz anders sieht es ÖVP-Nationalrat und Obmann des Fachverbandes der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Franz Hörl. „Der Zusammenschluss ist für die Region ungemein wichtig, er muss kommen.“ Hier gehe es um ein notwendiges touristisches Angebot, vor allem im Pitztal. Sollten in den nächsten Wochen noch ausstehende Gutachten vorgelegt werden, dürfte die mündliche Verhandlung im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung Anfang Dezember in Innsbruck über die Bühne gehen. Politisch könnte die Gletscherehe das beherrschende Thema in der schwarz-grünen Landesregierung im kommenden Jahr sein. (mami, pn)


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