Bericht: Hoher Wohlstand, Defizite bei Umwelt und Verteilung

Insgesamt ergibt der Wohlstandsbericht für die fünf Bereiche eine Gesamtbewertung von 72 Punkten - von maximal 120 möglichen.

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© Andreas Rottensteiner / TT

Wien – Die Wohlstandentwicklung ist in Österreich gut, Schwächen gibt es laut dem zweiten Wohlstandsbericht der Arbeiterkammer (AK) unter anderem bei Umwelt, Arbeit und fairer Verteilung. Am besten schneidet der Bereich Lebensqualität ab. Handlungsbedarf sieht die AK vor allem bei der Klimapolitik und am Arbeitsmarkt.

Insgesamt ergibt der Wohlstandsbericht für die fünf Bereiche eine Gesamtbewertung von 72 Punkten – von maximal 120 möglichen. Wirtschaftswachstum stehe zu sehr im Mittelpunkt der wirtschaftspolitischen Berichterstattung und Debatte, Wohlstand sei mehr als Wirtschaftswachstum, begründete Markus Marterbauer, Leiter der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung in der AK Wien am Dienstag in einer Pressekonferenz den Bericht. Wohlstand heiße für unter anderem hohe und gerecht verteilte Einkommen und Vermögen, gerecht entlohnte Arbeit, gute Arbeitsbedingungen, hohe Lebenszufriedenheit mit guter Versorgung von sozialen Diensten von Pflege bis Wohnen, intakte Umwelt sowie gesamtwirtschaftliche Stabilität.

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Österreich sei in vielen Teilen ein Erfolgsmodell und habe eine ausgezeichnete Basis um den Wohlstand weiter zu verteilen. Andererseits habe man den Eindruck, dass die Wohlstands- und Nachhaltigkeitsdebatte zu wenig Stellenwert im politischen System habe und in dem einen oder anderen Bereich auch ein Zurückfallen drohe. Die AK fordert eine deutliche Ausweitung der öffentlichen Investitionen vor allem im Bereich Klimaschutz, Wohnen, Bildung und sozialer Zusammenhalt, eine innovative Arbeitszeitpolitik und eine Renaissance des sozialen Dialogs.

„Breiter sozialer Schulterschluss notwendig“

Im Bereich Vollbeschäftigung und gute Arbeit gibt es im Bericht gute Bewertungen für Erwerbstätigkeit und Mitbestimmung. Die unbezahlten Überstunden beispielsweise sind im Vergleich 2015 bis 2018 zurückgegangen, aber noch immer relativ hoch. Die Arbeitslosigkeit dürfte aber angesichts der schwächeren Konjunktur wieder steigen, erwartet die AK.

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Zweiter wichtiger Bereich für die künftige Regierung ist für die AK die Klimapolitik, wobei eine breite Einbindung als nötig erachtet wird. „Wenn es nicht gelingt, die Bevölkerung mitzunehmen, sind die Klimaziele nicht erreichbar“, so Silvia Leodolter, Leiterin der AK-Abteilung Umwelt und Verkehr. Sie seien nur zu erreichen, wenn man einen breiten sozialen Schulterschluss zusammenbringe. Arbeiterkammer, Gewerkschaften, Wirtschaft und NGOs beispielsweise müssten miteingebunden werden.

Lebensqualität deutlich über dem EU-Schnitt

Der Bereich intakte Umwelt erreicht im Wohlstandsbericht 12 von 24 möglichen Punkten und schneidet damit am schlechtesten der fünf Bereiche ab. Bei Feinstaub sei das Ergebnis nicht so schlecht, die Problembewältigung beim Verkehrslärm durchschnittlich. Größte Sorge sind laut Leodolter die Treibhausgasemissionen und der energetische Endverbrauch.

Die Zieldimension Lebensqualität schneidet im Wohlstandbericht am besten ab. Sie hat sich demnach in den vergangenen zehn Jahren erhöht und liegt nicht nur deutlich über dem EU-Durchschnitt sondern auch besser als in Deutschland oder Belgien. Gute Werte erzielten das subjektive Sicherheitsgefühl. Positiv verlaufe auch die Entwicklung bei der Reduktion von Armut und Ausgrenzung, wobei hier der Ausblick wegen der 2019 beschlossenen Änderung bei der Sozialhilfe bzw. Mindestsicherung auf negativ gesetzt wird. Negativ wirken sich bei der Lebensqualität die hohen und steigenden Wohnkosten aus. (APA)


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