220 Jahre alter „Klachl“ für das Blochziehen in Fließ

Im Februar zieht Fließ wieder in die Fasnacht. Der Baum für den Bloch wurde bereits gefällt – es ist eine 36 Meter hohe Fichte.

Andreas Gigele, Hansi Hann (vorne, v. l.), Reinhold Gigele, Rainer Würfl und Wolfgang Kathrein (2. Reihe, v. l.) fällten die Fichte für das Blochziehen in Fließ. Ihr Stamm wird im Februar von den Fasnachtern durch den Ort gezogen.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Fließ –Als Andreas Hofer am Bergisel kämpfte, war sie noch ein junges Bäumchen. Als 50-Jährige erlebte die Fichte, wie die erste Eisenbahnlinie durch Tirol gebaut wurde. Als der Kaiser abdankte und die Erste Republik ausgerufen wurde, hatte sie ihren 100. Geburtstag längst hinter sich. Die Jahresringe ihres Stammes erzählen Geschichte. Die Männer, die sich an diesem Vormittag in den Görfer Wald auf 1700 Metern Seehöhe getroffen haben, unterbrechen ihre Gespräche, während Waldaufseher Hansi Hann konzentriert die dunklen Kreise zählt. Er kommt auf 220. Als sie nach getaner Arbeit endlich mit einem Bier anstoßen, sind sie sich einig, dass der Fichte so ein besseres Ende beschieden ist, als schnell in einem Sägewerk zu enden.

Der Stamm des uralten Baums wird am 16. Februar 2020 beim traditionellen Blochziehen durch den Ort geführt. „Es ist das zehnte seit Wiederbelebung der Fasnacht 1986“, wie Fasnachtsobmann Reinhold Gigele betont. Über 5000 Zuschauer kommen alle vier Jahre in die Gemeinde, um sich das Brauchtum anzusehen. Der Fanatismus bei den Fließern selbst sei enorm – Nachwuchssorgen müsse man sich jedenfalls nicht machen, so Gigele. 250 bis 300 nehmen aktiv am Umzug teil.Damit ist er größer als jener in Fiss, erklärt er. Mitmachen dürfen allerdings nur Männer und Buben, Mädchen und Frauen sind nicht einmal als Musikantinnen erlaubt.

Das Fällen des Baums ist der traditionelle Auftakt der Fasnacht, die offiziell mit dem Naz-Ausgraben am 5. Jänner beginnt. Ausgewählt wurde die Fichte von Waldaufseher Hansi Hann. Es sei ein „g’rechter Boum“ fürs Blochziehen, bemerkte er danach zufrieden. Das Fällen machte man sich nicht einfach. Die Motorsäge nahm man erst zum Ent­asten in Betrieb – alles davor war Muskelkraft. Zuerst kam die Hacke, dann die Wiegsäge zum Einsatz – selbst bei niedrigen Temperaturen war das eine schweißtreibende Arbeit.

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Einen „Mords-Klachl“ nannte auch Wolfgang Kathrein den Stamm. Er ist der Fuhrmann, der während des Spektakels auf dem Bloch steht und die Masken beim Ziehen anfeuert. „Der Stamm hat zwischen 70 und 80 Zentimeter, da muss ich die Geißel etwas gelten lassen, damit wir ihn hinaufbringen“, schmunzelt er.

Der Bloch wird am Vortag des Blochziehens aufgeputzt, so Gigele. Dann gibt es auch die sogenannte Blochwache, damit er nicht heimlich angeschnitten wird. Bei der Fasnacht wird das Holz dann versteigert.


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