Robert Enke

10. Todestag: Aktion #gedENKEminute soll wieder wachrütteln

DFB-Teamgoalie Robert Enke nahm sich vor zehn Jahren das Leben. Ein bewegender Film erinnert daran.
© imago images/Eibner

Nicht nur der NDR-Film „Robert Enke – auch Helden haben Depressionen“ mahnt die Erinnerung an den Suizid des DFB-Keepers ein.

Hannover – Vor fast genau zehn Jahren, am 10. November 2009, setzte Robert Enke seinem Leben an einem Bahnübergang ein Ende. Zwei Tage zuvor war er beim 2:2-Remis seiner Hannoveraner gegen den HSV noch im Tor gestanden, für die WM 2010 hatte er auch im deutschen Team­trikot sehr gute Karten.

40.000 Menschen kamen Tage später zu einer Trauerfeier, die an Tragödien wie beispielsweise jene um Lady Diana erinnerte, das DFB-Team sagte sein Länderspiel gegen Chile ab. Die Frage nach dem Warum beantworte damals Enkes Frau Teresa, die nach sechs Jahren in Köln wieder in Hannover lebt. Sie berichtete über die Depressionen ihres Mannes, seine Seelen­qual, seine Ängste vor Entdeckung oder der Furcht, dass ihnen wegen seiner Krankheit die damals neun Monate alte Adoptivtochter Leila weggenommen werden könnte: „Wir dachten halt auch, mit Liebe geht das. Aber man schafft es doch nicht immer“, rühren ihre Worte noch heute zu Tränen.

„Fußball ist nicht alles“

Teammanager Oliver Bierhoff beschreibt im Film „Robert Enke – auch Helden haben Depressionen“ welch seltsame Energie sich im DFB-Lager nach der Nachricht vom Suizid des Kollegen breitgemacht habe. Der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger mahnte: „Fußball ist nicht alles.“

Teresa Enke erklärt mehrmals, dass es nicht der Fußball gewesen sei, der ihn kaputtgemacht habe: Es war seine Erkrankung. Die Witwe ging einen wichtigen Schritt mit ihrer persönlichen Trauer­arbeit in der Robert-Enke-Stiftung, die 2010 mit dem DFB, der Deutschen Fußballiga und Hannover als Träger sowie ihr selbst als Vorstandschefin ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, die Volkskrankheit Depression auch zu enttabuisieren. Teres­a Enke glaubt heute – obwohl sich der Fußball nicht geändert habe –, dass sich der Umgang mit der Krankheit verändert hat: „Das ist ein großes und öffentliches Thema geworden. Es gibt 70 Sport­psychiater in ganz Deutschland. Wenn ein Sportler erkrankt ist, dann gibt es überall Anlaufstellen.“

Hier finden Sie Hilfe

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizidgedanken betroffen sind, finden Sie hier Hilfe:

Die Telefonseelsorge

ist unter 142 kostenfrei rund um die Uhr jeden Tag erreichbar. Die Beratung ist vertraulich. Mail- und Chatberatung: www.onlineberatung-telefonseelsorge.at

Rat auf Draht:

kostenloser Notruf für Kinder und Jugendliche, Tel. 147 (ohne Vorwahl) rund um die Uhr, https://www.rataufdraht.at/

Pro mente:

https://promente-tirol.at/de/

Psychiatrische Ambulanz der Innsbrucker Klinik:

Tel. +43 (0)50 504 23648

Notaufnahme des MZA, Anichstraße 35, Innsbruck

Tel. +43 (0)50 427 057

Psychosozialer Dienst in Hall in Tirol:

www.psptirol.org, Tel. +43 (0)52 2354 9 11

Kriseninterventionsdienst des Roten Kreuzes:

Notruf 144

Valentin Markser, der Robert Enke psychotherapeutisch behandelt hat, ist skeptischer, was die Situation im Profisport angeht: „Das System ist leider noch auf dem Stand von 2009“, sagte der einstige Handball-Torwart dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor wenigen Wochen.

Wolfsburg-Manager Jörg Schmadtke, vor zehn Jahren Sportchef bei Hannover, sieht im Profi-Fußball generell kein­e Änderungen im Umgang miteinander. „Nicht bei den Medien, nicht bei den Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen. Der Druck ist nach wie vor groß“, sagte der 55-Jährige in einem Interview der Welt am Sonntag. „Ich habe keine großen Veränderungen im Fußballgeschäft feststellen können. Aber auch nicht in der Gesellschaft an sich.“

Am Wochenende sollen im Rahmen der Aktion #gedENKE­minute auf Veranlassung des DFB und der Robert-Enke-Stiftung mit Unterstützung der Deutschen Fußball Liga möglichst alle Vereine von der Bundesliga bis zur Kreisliga Robert Enkes gedenken. Dieses Thema darf nicht unter den Tisch gekehrt werden. (dpa, TT)

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