Austellung in Innsbruck: „Die Stadt gehört uns allen“

Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung haben sich kreativ mit dem öffentlichen Raum in ihrer neuen Heimat Innsbruck auseinandergesetzt. Die Ausstellung bot frische Perspektiven.

Sie wollen als Teil von Innsbruck sichtbar werden – und zeigten ihren Blick auf die Stadt: Guljin Kalach, die aus Syrien flüchten musste, und Diana Triviño, die aus Kolumbien stammt, sind zwei der Workshop-Teilnehmerinnen mit verschieden Geschichten.
© Domanig

Von Viktoria Gstir

und Michael Domanig

Innsbruck –Das Stadtteilzentrum in Innsbruck-Wilten ist gut gefüllt. An den Wänden kleben kreativ gestaltete Plakate und Fotos, den Tisch in der Raummitte ziert eine interaktiv gestaltbare Innsbruck-Landkarte. Der Tag der großen Ausstellung ist gekommen: Über fast vier Monate hinweg hat sich eine Gruppe von neun Migrantinnen in einer Workshopreihe namens „Die Stadt gehört uns allen“ mit ihrer neuen Heimat Innsbruck als Lebensraum auseinandergesetzt. Die Teilnehmerinnen stammen ursprünglich aus Syrien, Afghanistan, Argentinien und anderen Ländern.

Auf Einladung von „Frauen aus allen Ländern“, einer Bildungs- und Beratungseinrichtung für Frauen und Mädchen mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrung, konnten sie ihre persönliche Sicht auf Innsbruck künstlerisch entwickeln und darstellen. Wer erhält wie viel Raum in einer Stadt? Wer ist dort sichtbar – oder nicht? An welchen Orten fühlt man sich wohl? Wo kann man sich als Frau, als Mutter mit Kindern aufhalten, wenn man aus der Enge der Wohnung hinausmöchte? Fragen wie diese waren der Ausgangspunkt.

Guljin Kalach
© Domanig

„Der öffentliche Raum ist nämlich nicht für alle Menschen gleichermaßen zugänglich“, erklärt Verena Sperk von „Frauen aus allen Ländern“, oft seien Räume etwa durch Konsumzwang, ökonomische Faktoren oder Verbote reguliert. Viele Menschen hätten mit Diskriminierung zu kämpfen und zögen sich deshalb an privatere Orte zurück. Mit dem Workshop-Projekt, gefördert von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung und dem Land Tirol, habe man zeigen wollen, „dass in Innsbruck eine Vielzahl an Frauen mit sehr unterschiedlichen Geschichten lebt“, sagt Sperk. „Sie sollen als Teil dieser Stadt sichtbar werden.“

Jede Frau beschäftigte sich u. a. mit persönlichen Lieblingsorten in der Stadt und stellte sie den anderen bei Exkursionen vor. Danach wurde kreativ weitergearbeitet: Die Teilnehmerinnen machten z. B. Fotos von Plätzen in Innsbruck. Diese Bilder wurden dann zerschnitten oder durchgerissen, die Frauen blickten durch ihre eigenen Fotos hindurch – und wurden dabei wiederum von Fotografin Natália Zajaciková aufgenommen. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen wurden auch Wörter gesammelt, die sie mit Innsbruck verbinden. So entstand ein buntes „Stadt-Abc“: von A wie Arbeitsmarktservice über B wie Baggersee bis hin zu Z wie zauberhaft.

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Diana Triviño
© Domanig

Durch das gemeinsame Nachdenken, Reden und Basteln in der Frauengruppe „sehe ich Innsbruck jetzt mit einem anderen Blick“, sagt Amina Jaballah, Österreicherin tunesischer Herkunft, die seit 1996 in Innsbruck lebt und Islamische Religionspädagogik studiert.

Guljin Kalach musste aus ihrer Heimat Syrien flüchten, sie lebt seit drei Jahren in Innsbruck. Auch sie genießt den Austausch und das Lachen mit den anderen Frauen – das helfe auch gegen die Traurigkeit. Einer ihrer Lieblingsplätze in Innsbruck ist übrigens der Spielplatz in Kranebitten, „weil Kinder dort auch laut spielen können“.

Für Diana Triviño, die aus Kolumbien stammt, war das mehrmonatige Projekt deshalb interessant, weil sie so neue Orte kennen lernen konnte und sich nun stärker zur Stadt zugehörig fühle. „Innsbruck ist die Stadt der Berge, es gibt viel Natur und sehr gute Luft“, meint sie – und sie könne sich jetzt auch vorstellen, Ski fahren zu lernen.


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