Faschingsbeginn, Karnevalsauftakt: Start in die fünfte Jahreszeit

Wenn die Zeiger am 11. November auf 11 nach 11 stehen, sind sie wieder los – die Narren. Mit zahlreichen Veranstaltungen wird in Vorarlberg und Kärnten der Fasching begrüßt. In Wien feiert man die neue Ballsaison, in Deutschland lassen Gilden und Besucher für einen Tag den Karneval hochleben.

Die Wiener Tanzschulen haben zu Faschingsbeginn Passanten und Touristen zur Quadrille am Graben geladen.
© APA/Hochmuth

Innsbruck, Wien, Köln – Am elften Elften um elf Uhr elf ist Faschingsbeginn. Warum genau dann? Weiß man nicht. Es gibt nur Vermutungen: Es ist eine Schnapszahl, eine Narrenzahl, wie man im Mittelalter gesagt hätte. Einer mehr als die zehn Finger und einer weniger als die zwölf Apostel. Nichts Halbes und nichts Ganzes. Außerdem markierte der 11. November, der Martinstag, früher das Ende der Erntezeit. Man feierte dies mit einem Braten, der Martinsgans. Dabei trank man dann auch gern ein Glas zuviel. Nach getaner Arbeit ließ man es sich gutgehen – zumal anschließend eine Fastenzeit bis Weihnachten begann.

Die Faschingsgesellschaften nutzten diesen letzten Termin vor dem Adventfasten zum Beginn der Faschingsvorbereitungen. An diesem Tag fanden – oft um 11.11 Uhr – Gründungsversammlungen neuer Vereine und Generalsversammlungen bestehender Faschingsgesellschaften statt. Der Elferrat wurde neu besetzt und Faschingsprinzen gekrönt.

Wiener feiern die Ballsaison

Faschingsbeginn bedeutet auch den Start in die Ballsaison. Daher luden die 25 Wiener Tanzschulen um 11.11 Uhr zum traditionellen Tanzereignis mit Quadrille und Wiener Walzer auf dem Stephansplatz.

Auch in Kärnten erschallen ab 11. November die typischen „Lei Lei“-, „Bla Bla“-, „Gluck Guck“- und „Namla Woll Woll“-Rufe. Auch wenn das Landes-Faschingswecken in Klagenfurt bereits am Sonntag stattgefunden hat. Beim sogenannten „närrischen Sturm“ zogen 250 Gilden-Vertreter aus ganz Kärnten in ihrem jeweiligen Gildenornat um 11.11 Uhr in den Spiegelsaal der Landesregierung ein.

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Im Zuge der Feierlichkeiten in der Landesregierung wurde auch das Landes-Faschingsprinzenpaar 2020 gekrönt.

Der Auftakt in die fünfte Jahreszeit wird auch in Vorarlberg in zahlreichen Städten und Gemeinden zelebriert. In Bregenz wurde das Prinzenpaar vorgestellt, in Dornbirn findet am Marktplatz die so genannte „Fasnatzunft“ mit „Remmy Demmy“ statt.

Narren begrüßen den Karneval

Auch in den Karnevalshochburgen („Karneval“, abgeleitet vom mittellateinischen „carne levare“: „Fleisch wegnehmen“) in Deutschland begannen die Sitzungen nicht zur vollen Stunde, sondern elf Minuten später, und geleitet werden sie vom Elferrat. Für Karnevals-Unerfahrene ist es überraschend, dass am 11. 11. für einen Tag die Hölle losbricht, und dann tun die Narren erst mal wieder so, als wäre nix gewesen. Erst im neuen Jahr beginnt die Session mit dem Sitzungskarneval so richtig.

In Mainz begann die Saison mit einem Countdown, dann wird dort das Närrische Grundgesetz verlesen. In Düsseldorf erwachte nach neunmonatigem Tiefschlaf um elf Uhr elf der Obernarr Hoppeditz.

In Köln präsentierte sich ein neues Dreigestirn. Dort wurden traditionell die meisten Besucher erwartet. In der Vergangenheit kam es dabei nicht selten zu unschönen Szenen wie Trink-Exzessen, Schlägereien, sexuellen Übergriffen und ungebremstem Wildpinklertum.

1000 Polizisten in Köln

Dieses Jahr kündigte ein Polizeisprecher an: „Wer nach Köln kommt und meint, er kann hier Karneval mit Aggression feiern, der bekommt von uns die gelbe oder rote Karte.“ Gelb sei Platzverweis, rot Ingewahrsamnahme. Die Polizei wollte mit 1000 Beamten im Einsatz sein. Dass der elfte Elfte diesmal auf einen Montag falle, müsse nicht zwangsläufig bedeuten, dass weniger Besucher kämen, so der Sprecher.

Faschingsauftakt in Bayern

Auch zahlreiche Faschingsgesellschaften in Bayern starteten in die Kostüm- und Ballsasison. Am Viktualienmarkt in München stellte die Narrhalla das neue Prinzenpaar vor. In Regensburg beispielsweise fand zeitgleich der „Sturm aufs Rathaus“ statt, bei dem Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) das Prinzenpaar der Narragonia inthronisieren will. (TT.com, APA, dpa)


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