„Booksmart“: Zwei Außenseiter lernen leben

Schauspielerin Olivia Wilde legt mit der spritzig-smarten Highschool-Komödie „Booksmart“ ein bestechendes Regiedebüt vor.

Amy (Kaitlyn Dever) begegnet auf ihrer Odyssee der exzentrischen Gigi (genial: Billie Lourd) im Leopardenfell-Imitat.
© Polyfilm

Von Marian Wilhelm

Innsbruck –„Booksmart“ sind die beiden besten Freundinnen Molly und Amy, aber vom sozialen Leben außerhalb der Bibliothek haben die beiden Streberinnen wenig Ahnung. Als Molly am Vorabend ihres Highschool-Abschlusses feststellt, dass ihre auf Bestnoten gestützte Überlegenheit nicht alles ist, will sie zusammen mit Amy in einer Nacht einiges an verpasster Teenager-Erfahrung nachholen. Im Zentrum dieses Party-Odyssee-Quests steht aber die Freundschaft der beiden schrullig-coolen Mädchen.

Das Genre der Highschool-Coming-of-Age-Filme mit all seinen Manierismen und Klischees wirkt hierzulande wohl um einiges seltsamer als in den USA. Das liegt vor allem an der unterschiedlichen Schulwelt samt Sportteams und dynamischem Klassenraum-System sowie an autofahrenden 15-Jährigen und Alkoholverbot bis 21. Unter und hinter all den spezifischen Kulturmerkmalen lassen sich aber immer auch das universelle Drama der Pubertät und die soziale Brutalität des Mi­krokosmos Schule ­erzählen.

Zuletzt erinnerte sich Jonah Hill in seinem meisterhaften Erstling „Mid90s“ an das Teenager-Leben. „Booksmart“ trifft nun als überdrehte School Comedy ebenfalls einen überaus frischen Ton. Schauspielerin und Debüt-Regisseurin Olivia Wilde („Rush“) findet überraschend neue Perspektiven und integriert die typischen Klischee-Nebenfiguren mit intelligentem Witz in ihre Komödie. Herz und Puls ihrer Geschichte sind aber die beiden lebhaft-coolen Außenseiterinnen und ihre starken Hauptdarstellerinnen mit einer Truppe von quirligen Mitschülern und Lehrenden rundherum. Beanie Feldstein spielt die resolut-stolze Schülerinnenvertretungspräsidentin Molly, die zu Beginn nur Verachtung für die Party-Meute übrig hat. Ihr Karriere-Idol ist die 86-jährige Höchstrichterin Ruth Bader Ginsburg. Kaitlyn Dever ist als Amy eher sozialaktivistisch unterwegs und will nach dem Abschluss für ein Frauenhilfsprojekt nach Botswana. Sie folgt Molly eher ungern in das nächtliche Sozial-Abenteuer, auch wenn ihr Schwarm Ryan (Victoria Ruesga) auf sie wartet. Doch sie ist zu bedingungsloser Unterstützung verpflichtet, als Molly den Malala-Notfall ausruft, benannt nach der pakistanischen Nobelpreisträgerin Malala Yousafzai (die den beiden Darstellerinnen dafür via Twitter schon liebe Grüße ausgerichtet hat).

„Booksmart“ könnte im zusehends heißer werdenden Oscar-Rennen durchaus eine Rolle spielen. Der Film bekam seit seiner Premiere viel Zuspruch, nicht zuletzt für seine modernen Mädchen-Figuren. Wilde ist dabei auf die effektivste Weise feministisch: ganz nebenbei, in ironischen Dialogen und schlicht im Fokus der Regisseurin auf ihre jungen Heldinnen. Vor allem aber ist „Booksmart“ eine der spritzigsten und handwerklich besten Coming-of-Age-Komödien der letzten Jahre.

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