Warten auf das Okay der Bürger — oder Pfafflars Dorfchef geht

Pfafflars Bürgermeister will nicht vorzeitig zurücktreten, wenn die Bevölkerung das „Aufräumen“ mitträgt.

Von Helmut Mittermayr

Pfafflar –Ende Juni war es Bürgermeister Bernd Huber zu viel geworden. Die Vorfälle rund um die Straßensperre gegen Motorradlärm am Hahntennjoch und die Gräben, die sich dadurch im Bergdorf Pfafflar noch weiter vertieft hätten, bewogen ihn, seinen Rücktritt bekannt zu geben – nicht sofort, im November. Zwischenzeitlich habe die Bezirkshauptmannschaft Reutte auf ihn eingewirkt, ob er nicht doch die Periode bis 2022 fertig machen könne. Der Lechtaler überlegt und will dies von den acht Gemeinderäten und einer Bürgervollversammlung abhängig machen. Dort will er das Commitment, also das Sich-für-ihn-Bekennen, der 85 Wahlberechtigten einfordern. Falls er es nicht bekommt, wird er das Amt schnellstmöglich zur Verfügung stellen. Dass er die Loyalität der Bewohner des Bergdorfes besitzt, sei gar nicht so sicher, erklärt er freimütig. Denn Huber hat begonnen, einen riesigen Reformstau abzuarbeiten, teils selbst verursacht, teils von Vorgängern übernommen. Der Bürgermeister ist seit 16 Jahren im Amt.

In der Kleingemeinde, in der jeder jeden kennt und viele eng verwandt sind, sei ein amtswegiges Vorgehen der Gemeinde nicht üblich gewesen und lange Zeit nicht streng gehandhabt worden. Er habe nun damit begonnen, weil „kein Weiterwursteln mehr möglich“ sei. Deshalb blase ihm nun aber ein scharfer Wind entgegen. Die Leute würden gar nicht erkennen, dass dies zum Vorteil aller sei. Bernd Huber nennt Beispiele für die Problemzonen im Ort. Für viele Gebäude und Grundstücke gebe es keine Pläne oder, falls doch, ließen sie sich in der Wirklichkeit nicht abbilden. „Da gibt es Bauwerke, die mit einer Ecke auf fremdem Grund stehen.“ Jedes Ansuchen um irgendeine Bewilligung werfe unzählige weitere Fragen auf. Bauverhandlungen seien früher salopp abgeführt worden, nicht immer alle Unterlagen – da gar nicht vorhanden – eingereicht worden. Da habe man sich dann ohne Vermessung auf die alten Marksteine verlassen. Und wenn diese verrückt waren, seien die Probleme vorprogrammiert gewesen. Baugrundstücke ohne Zufahrten – solche Gutmütigkeiten aus alten Zeiten würden sich rächen. Zudem könne ein Bürgermeister auf der Höhe der Zeit so nicht mehr agieren – heute wäre das alles Amtsmissbrauch.

Huber weiter: „Auch die Einhaltung von Kommunalsteuerbescheiden wurde früher nicht wirklich genau angeschaut. Wir haben das jetzt bis 2004 zurückverfolgt, was unheimlich aufwändig war“, erklärt der Bürgermeister, womit er auch gleich den Beginn seiner Amtszeit markiert. Zudem seien Hunderte Grundsteuerbescheide auf ihre Richtigkeit kontrolliert worden. Arbeit ohne Ende.

Verfahren würden sich ohne die notwendigen Papiere unnötig in die Länge ziehen. „Da kann ein Grundbucheintrag schon eineinhalb Jahre dauern – jemand will bauen und kann nicht loslegen. All dies arbeiten wir gerade auf und ernten kein Verständnis dafür, meist das Gegenteil.“

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Huber ist sogar mit seinem eigenen Rücktritt in Verzug geraten. Sein Hausbau, mit dem er auch hinten liegt, hat seine Energie seit Monaten gebunden. Aber jetzt will er eine Entscheidung im Ort. Entweder „die Leute tragen die Maßnahmen zum eigenen Vorteil mit oder sie müssen sich einen Neuen suchen“.


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