Mountainfilm Graz: Fiedler on the road, spröde Bike-Britin

Das Mountainfilmfestival Graz 2019 startete am Dienstagabend - im Grazer Schubertkino wurden u.a. „A Midsummer Morning“ und „Home“ gezeigt. Das eine Werk ist eine kurze, wunderbare Beinahe-Aussteiger-Komödie eines Briten, der sich mit der Fidel durch Spanien schlägt - das andere ein Streifen über eine Britin, die die Welt mit Rad und Kajak umrundet, was aber seltsam wenig berührt.

Der Brite Alastair, rothaarig wie es nur einer mit Nachnamen Humphreys sein kann, entschließt sich, seine Komfortzone zu verlassen, und als blutiger Geigen-Anfänger mit seinem Instrument durch Spanien zu ziehen und dabei von seiner Musik zu leben zu versuchen. Dazu nimmt er erst sechs Monate Geigenunterricht - und entringt seiner Fidel bis zum Tag seiner Abreise mit dem Schiff ins nordwestspanische Vigo kaum mehr als ein gruseliges Grunzen.

Die Komfortzone, das ist für den Extrem-Radler, -Läufer, -Skifahrer und -Ruderer Alastair eigentlich der Extremsport. Nun versucht er sich mit Geigenspiel seinen Lebensunterhalt zu verdienen - genau wie der englische Poet Laurie Lee auf seiner Wanderung 1935 durch Spanien im Roman „As I Walked Out One Midsummer Morning“. Und wie bei Lee öffnet die herzliche, humorvolle „attitude“ von Alastair ihm Geldbörsen und Herzen - und lässt ihn nebenbei die atemberaubenden spanischen Landschaften von Vigo bis Madrid einfangen.

Man glaubt es nicht: Das krächzend gespielte Thema der Muppet-Show spült ihm das Geld für das letzte wohlverdiente Bier des ungewöhnlichen Off-Road-Trips in Madrid herein - und die Erkenntnis: „Ich bin selber ein Muppet“ - bezaubernd, trotz seiner nur 20 Minuten in der Kategorie „Menschen & Kulturen“.

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Ungleich länger als der Trip Alastairs durch Spanien dauert die Weltumrundung der Britin Sarah Outen, nämlich von 2011 bis 2015. Ihr ist zwar allerhand passiert, vom Beinahe-Bärenangriff im Kamtschatka bzw. Alaska bis zu einem Schiffbruch im Sturm im Pazifik. Aber in dem Film der Kanadierin Jen Randall wirkt Outen in 92 Minuten (Kategorie „Alpinismus & Expeditionen“) seltsam spröde und - erstaunlich bei einer britischen Abenteurerin - angesichts der Fülle an Menschen und Begebenheiten - recht humorlos. Man bewundert die körperliche und mentale Leistung von Sarah Outen, alles nur mit Muskelkraft und einem zehnköpfigen Team geschafft zu haben. Aber der Funke springt nicht über.

Ein Grund mag sein, dass über weite Strecken nur ihr Gesicht zu sehen ist und die Extremsportlerin stetig und vor allem über sich selbst räsoniert. Was nach ein paar hundert Kilometern schon redundant wird. Alleine ihr fröhlicher Mitradler über weite Strecken in China, Gao, wäre schon einen eigenen filmischen Side-step wert gewesen. Immerhin, dieses hat Outen erkannt: „Ich bin glücklich, mit jemandem zu radeln, der Fröhlichkeit in sich hat. China ist anders ohne ihn.“


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