Leopold Mozart wäre 300: Ein Vater, aber viel mehr als das

Leopold Mozart, heute vor 300 Jahren geboren, war ein vielseitiger Künstler, Pädagoge, Autor und Organisator.

Vater Mozart mit seinen Kindern Wolfgang Amadé und Nannerl: Ausschnitt aus „Familie Mozart in Paris“, von Louis Carmontelle, 1763.
© Imago

Von Ursula Strohal

Wien –Was für ein Geschenk: Anlässlich des 300. Geburtstages von Leopold Mozart wurd­e an der Stiftung Mozarteum Salzburg eine Online-Editio­n seiner berühmten Violinschul­e entwickelt und nun am Dienstag online gestellt. Mozarts „Versuch einer gründlichen Violinschule“, erstmals 1756, im Geburtsjahr seines Sohnes Wolfgang Amadé erschienen, ist das bedeutendste deutschsprachige Lehrwerk für Streichinstrumente aus dem 18. Jahrhundert. Noch heute spielt sie in der Ausbildung, nicht nur in der historischen Aufführungspraxi­s, eine bedeutende Rolle.

Leopold Mozart ist mehr als der Vater zweier hochbegabter Kinder, die er an Europas Adelshäusern herumreichte. Sein „Wolferl“, das Wunderkind, das zu einem der größten musikalischen Genies aller Zeiten wurde, machte er gern ein wenig jünger, um die Wirkung zu steigern, ebenso Tochter Nannerl.

Vater Leopold wird als intelligenter, humorvoller Zeitgenosse von wachem Geist und rascher Auffassungsgabe beschrieben, und obwohl er Salzburgs Enge als drückend empfand, vom Dienst in der Hofkapelle nicht ausgefüllt war und sich als Künstler wenig gewürdigt sah – oft genug bekam er in seinem Leben Geringschätzung zu spüren –, lebte und wirkte er 50 Jahre lang in diesen Diensten. Er starb in Salzburg am 28. Mai 1787.

Johann Georg Leopold Mozart wurde am 14. November 1719 in Augsburg als Sohn eines Buchbinders geboren, besuchte dort das Jesuitenkolleg und studierte dann in Salzburg Philosophie und ein paar Semester Jus. Hauptberuflich wurde er Geiger in der fürst­erzbischöflichen Hofkapelle, später Vizekapellmeister. Als Komponist ist er mit Kirchen­werken, populären Instrumentalwerken und rund 80 Symphonien bekannt.

Und dann war da der strenge, wenn auch nicht unerbittliche Lehrer, der seinen Kindern in liebevoller Umgebung jede erdenkliche Förderung zukommen ließ. Mozart liebte den starken, autoritären, begabten Vater, der Texte in geschliffener Sprache zu formulieren wusste, der als begabter Organisator auch Konzerte veranstaltete und die Familie zusammenhielt. Der gläubige Katholik war Freimaurer, vielseitig gebildet und interessiert.

In Wolfgangs Wiener Jahren fiel ein Schatten auf die Beziehung. Leopold missbilligte die Heirat des Sohnes mit Constanze Weber, hatte an der Haushaltsführung und Wolfgangs Lebensstil viel auszusetzen. „Leopold Mozart. Musiker – Manager – Mensch“ heißt die Ausstellung, die noch bis 9. Februar 2020 im Salzburger Mozarthaus über diesen vielseitigen Mann und Künstler berichtet.


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