Papa Thiem lobt Dominic: „Er ist zur Persönlichkeit gereift“

Nach einer der denkwürdigsten Partien des Jahres gegen Novak Djokovic staunt die Tennis-Welt in London über die Stärke des Dominic Thiem. Für Trainer-Vater Wolfgang war die richtige „Work-Life-Balance“ der Schlüssel.

Nach 2:47 Stunden Spielzeit und einem 6:7(5), 6:3, 7:6(5) gegen London-Favorit Novak Djokovic brach Dominic Thiem voller Erleichterung in der O2-Arena zusammen.
© AFP

Von Roman Stelzl

Innsbruck, London – Als das Licht in der Londoner O2-Arena erloschen, die Musik verstummt war, hob ein ganz neuer Gesang an. Lobeshymnen wurden angestimmt, die den glanzvollen Auftritt des österreichischen Tennis-Stars Dominic Thiem noch ein wenig glanzvoller machten. Nach 2:47 Stunden hatte der 26-Jährige den Serben Novak Djokovic im zweiten Gruppenspiel der ATP Finals 6:7(5), 6:3, 7:6(5) niedergerungen und das Halbfinale erreicht. Der Protagonist selbst nannte es „sein wahrscheinlich bestes Match“ – alle anderen schnalzten ob Coolness, Nervenstärke und Klasse gegen den topfitten Djokovic mit der Zunge. Wachablöse, episch, spektakulär, phänomenal – die Suche nach einem noch besseren Wort war schier endlos.

Also mussten jene Leute für Ruhe sorgen, die dem Weltranglisten-Fünften überhaupt zu solch einer Ruhe am Platz verholfen hatten. Allen voran Papa und Trainer Wolfgang Thiem, der die Kirche wie gewohnt im Dorf ließ. „Natürlich war das ein Schritt nach vorne. Aber Dominic braucht sich vor keinem zu verstecken. Er kann das Turnier gewinnen, das wäre keine Überraschung“, sagt Wolfgang Thiem, der mit Nicolas Massu das Trainergespann bildet.

Die spielerische Klasse des 16-fachen ATP-Turniersiegers ist seit Jahren unbestritten. Doch heuer legte Thiem ein Schäufelchen drauf. Das betrifft alles, was sich im Kopf abspielt – und gerade im Tennis lastet der schwer auf den Schultern. „In den letzten Monaten ist Dominic zu einer Persönlichkeit gereift. Er hat die richtige Work-Life-Balance zwischen Beruf und Freude am Sport gefunden“, nennt es Wolfgang Thiem, der mit Dennis Novak und Sebastian Ofner auch die Nummern zwei und drei im österreichischen Tennis betreut. Und er ergänzt: „Es braucht Seriosität wie in jedem Job, aber es muss auch Spaß machen. Diese Balance hat Dominic nun.“

Die Nervenstärke sei aber nicht nur erarbeitet, sondern wurde ihm schon in die Wiege gelegt. „Es war schon als Kind so, dass er die Spiele gewonnen hat, wenn es in einen dritten Satz ging. Dominic ist nervenstark und wächst in engen Situationen über sich hinaus“, ergänzte Thiem, der mit einem Klischee über den zweifachen French-Open-Finalisten aufräumte: „Dominic ist kein Sandplatz-Spezialist, sondern ein Allrounder. Die schönsten Ergebnisse hat er auf Hartplatz geschafft.“

Großen Anteil an der Stärke hat das ganze Team, das vor dem heutigen finalen Gruppenspiel (15 Uhr, Servus TV) gegen Matteo Berrettini (ITA) für Fokus sorgt. Thiem: „In dem Bereich, in dem sich Dominic bewegt, muss alles so gestaltet werden, dass es für ihn optimal passt. Es ordnen sich alle unter – und das funktioniert optimal.“


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