„Identität ist Ungewissheit“: Tiefgang in kargen Bildern

In „Identität ist Ungewissheit“ zeigt das Künstlerhaus Büchsenhausen bereits entstandene und entstehende Werke seiner neuen Stipendiaten.

Lena Ditte Dissen stellte ihren Film bei den Premierentagen vor. Wie sie sich entwickelt, erfährt man bei den anstehenden Focus Weeks.
© Daniel Jarosch

Innsbruck –Wie wird Identität konstruiert, wie wird sie in der heutigen Politik missbraucht? Die aktuelle Ausstellung im Künstlerhaus Büchsenhausen stellt fest: „Identität ist Ungewissheit.“ Und verweist über den fachbuchartigen Untertitel „Über die soziohistorische Konstitution der Gegenwart“ auf die Arbeitsvorhaben seiner Stipendiaten für 2019/2020.

Für die vier Fellows, von einer Fachjury ausgewählt, lässt sich dieses Mal ein thematischer Fokus auf postkommunistische Gesellschaften ausmachen: Sowohl die Kunstschaffenden Anna Dasovi´c und „Kurs“ (Miloš Mileti´c und Mirjana Radovanovi´c) als auch die Theoretikerin Airi Triisberg recherchieren zu – wie man an der aufgeheizten Diskussion zu Nobelpreisträger Peter Handke sieht – längst noch nicht verdauten Umbrüchen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks.

Dasovi´c etwa stürzt sich in der Arbeit „So, on behalf of my country and from the bottom of my heart“ auf Bosnien und Herzegowina, wo sie an einer alljährlich abgehaltenen Veranstaltung zum Gedenken an den Völkermord in Srebrenica teilnahm. Es ist gleichzeitig eine jährliche Massenbestattung, wo menschliche Überreste aus Massengräbern beerdigt werden. Nach wie vor sind noch nicht alle Opfer identifiziert. In Texten und einer Videocollage verarbeitet die Künstlerin ihre enorme Recherchearbeit.

Technisch klassischer agieren „Kurs“, die in Linolschnitten der Partisanenkultur in Jugoslawien während des Zweiten Weltkriegs nachspüren. Auf die Zeit des Nationalsozialismus fokussiert sich hingegen Lena Ditte Nissen; Ihr Zugang erfolgt über die eigene Familiengeschichte.

Man erkennt: Ein kurzer Blick in die karge Werkschau reicht nicht für derartige inhaltliche Tiefgänge; Büchsenhausen wird Besucher und ihre Fragen mit den Stipendiaten und ihren Werken über Dialog verbinden: Die „Focus Weeks 2020“ starten am 13. Jänner. (bunt)


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