Seat Mii: Im zweiten Leben ein Elektriker

Seat baut den Kleinsten der Modellpalette von Verbrenner auf Stromer um. Der Mii hat als Electric 83 PS Leistung und 260 Kilometer Reichweite.

Ein ganz normaler Kleinstwagen geblieben ist der Seat Mii als „Electric“ – ohne futuristischen Cyber-Firlefanz.
© Werk

Von Beatrix Keckeis-Hiller

Madrid –Es ist ein Paradoxon, dass gerade eine Fahrzeugklasse, die am geeignetsten für die Mobilität in den wachsenden Metropolen ist, zu verschwinden droht: Kleinstwagen mit Verbrennungsmotoren. Die sind zwar nach wie vor gefragt, doch verteuert sich laut Herstellern deren Produktion auf jenseits der Wirtschaftlichkeitsgrenze. Grund sind die technischen Anforderungen betreffend Abgasreinigung, um den Emissions-Normen nach WLTP zu entsprechen.

Das Antriebsoffert hat sich mittlerweile bei allen Marken weitgehend auf Benziner reduziert, abgesehen von vereinzelten Erdgasmodellen. Siehe Seat Mii, der von Beginn an (2011) von Otto-Motoren und CNG-Aggregaten befeuert worden war und der seit heuer ausschließlich als Fünftürer zu haben ist.

Als solcher startet er jetzt gewissermaßen in sein zweites Leben. Als Elektriker. Die spanische VW-Tochter hat ihn für den Strom-Antrieb nicht neu erfunden. Äußerlich und innerlich ist er nur in Details modifiziert, selbst der klassische Handbremshebel ist ihm geblieben. Neu dekoriert ist das Armaturenbord, an der Basis-Instrumentierung hat das nichts geändert. Das Thema Infotainment, Navigation und Konnektivität wird via Smartphone-In­tegration inklusive entsprechender serienmäßiger Halterung abgehandelt. Strom-Aggregat, Leistungselektronik und Akk­u – mit 32,2 kWh Kapazität – sind so im knapp 3,6 Meter kurzen Katalanen platziert, dass bei den Raummaßen für Passagiere – es dürfen bis zu vier sein – und Gepäck gegenüber dem Verbrenner nichts abgeht. Das Laderaum­volumen bleibt bei 251 bis 923 Liter.

Gewonnen hat der elektrische Mii an Spritzigkeit. 83 PS (und 212 Nm) Spitzenleistung, je nach Fahrmodus, sorgen für prompten Antritt. Ums Sortieren der Gänge muss man sich ohnehin nicht kümmern, das erledigt das stufenlose Getriebe. Dass der Electric mit 1235 Kilo doch gut 300 Kilo schwerer ist als der einstige Einstiegsbenziner, macht sich in flott durchzirkelten Kreisverkehren bemerkbar. Doch ist das gesamte Fahrverhalten gutmütig und stadtgerecht dynamisch. Den 0-auf-100-Sprint, im City-Gewühl selten gefordert, kann er in 12,3 Sekunden absolvieren. 0 auf 50, viel wichtiger, gehen auch gefühlt, nicht nur auf dem Papier in 3,9 Sekunden. Schneller als 130 km/h darf er nicht. Mehr würde die angegebene WLTP-Reichweite von 260 Kilometern erheblich reduzieren. Der Normmixverbrauch: 14,4 bis 14,7 kWh pro 100 Kilometer.

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Seat hat mit der Elektrifizierung des Mii mehr vor, als nur einen Stromer anzubieten. Er soll Teil eines lokal CO2-freien Netzwerks sein, das individuelle und öffentliche Mobilität kombiniert. In Österreich hat man sich dafür mit den ÖBB zusammengetan, nach dem Motto „Kurzstrecke mit dem Auto, Langstrecke mit der Eisenbahn“. In ein Preispaket, das tariflich etwa einem Verbrennermodell entspricht, integriert ist die Österreich-Card Classic (Wert: knapp 1900 Euro). Unterm Strich macht das Einstiegs-Offert 17.690 Euro aus, Importeurs-Bonus (1800 Euro) und staatliche Förderung (1500 Euro) sind darin enthalten. Der Listenpreis beträgt ab 20.990 Euro. Marktstart: Anfang 2020.


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