Wilder Ritt in den Bühnensonnen-Untergang

„Cari Cari“ peitschen das Publikum bei ihrer Tirol-Premiere in Wörgl durch ihr jüngstes Album. Ein Konzert wie ein brodelnder Vulkan.

Rock vor untergehender Sonne: Am Donnerstag spielte „Cari Cari“ erstmals in Tirol. Die Wien-Gigs nächste Woche sind längst ausverkauft.
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Von Barbara Unterthurner

Wörgl –Ein Kojote heult in der Ferne, die Pferde steigen hoch, es blitzt und donnert. In Musik übersetzt heißt das: Car­i Cari stehen auf der Bühn­e. Da ist der Veranstaltungsreih­e „Weekender presents“ und dem Verein Kulturfabrik ein Coup gelungen, als sie am Donnerstagabend das burgenländische Duo zu seiner längst überfälligen Tirol-Premiere nach Wörgl holten.

Im Veranstaltungszentrum Komma fand das späte Kennenlernen statt. Zu diesem Zeitpunkt waren Stephanie Widmer und Alexander Köck bereits seit 2011 als Cari Cari aktiv, hatten eine Australien-Tour bereits hinter sich. Ihr Song „White Line Fever“ hatte es in die Must-see-Serie „Shame­less“ geschafft, sprich der einigermaßen an Gegenwartsmusik Interessierte muss von den beiden eigentlich schon gehört haben. Dementsprechend voll war das Wörgler Komma. Und spätestens sobald das Didgeridoo der Frontfrau im wahrsten Sinne des Wortes aufflammt, wissen alle: Das wird heiß.

Los geht der Abend mit viel Geheul: Zwischen Italo-Western-Zitaten schält sich langsam der Song „Anaana“ heraus. In straightem Rhythmus drischt ein Aushilfsdrummer (und später Widmer selbst) ins Schlagzeug. Das Didgeridoo dröhnt, die Gitarre schreit. Und dabei ist „Anaana“ noch eine der ruhigen Nummern. Kurzum: Das Intro ist großes Kino.

Wie passend, denn auf die große Leinwand wollten Car­i Cari schon seit Längerem. Köck erzählt von seiner Liebe zu Tarantino – weil sie einmal in einem Film des Kultregisseurs vorkommen wollten, beschlossen sie, Musik zu machen. Mit dem Song „Dear Mr. Tarantino“ haben die beiden vorsichtig angefragt – gemeldet hat sich wohl noch niemand.

Schade, aber immerhin ist die Lichtshow (Inspiration: Rammstein) in Wörgl absolut filmreif und die fließenden Übergänge lassen die Geblendeten vor der Bühne nicht allzu oft durchatmen. Musikalisch wühlt sich das Duo durch sein jüngstes Album „Anaana“, und damit durch bluesig angezerrte Gitarrenintros, dahingehauchte Texte, ordentlich Hall auf den Stimmen und auch mal eine Maultrommel (bei „Mazuka“). So klingt der wilde Ritt zurück in längst verhallte Gitarrenmusik. Mal tönt Car­i Cari nach Tito & Tarantula, mal mehr nach White Stripes, mal nach Stoner-Rock mit einem Spritzer „Spiel mir das Lied vom Tod“. So richtig retro ist das Duo dabei aber nie – da und dort werden Gitarren­sequenzen geloopt, die sich abwechselnden Stimmen wirbeln den ansonsten staubigen Sound mächtig auf.

Und den eigenen Songs gibt das Duo in puncto Tempo live auch noch ordentlich die Sporen: „Nothing’s Older Than Yester­day“, „Mechikko“ oder „After the Goldrush“ kommen auf der Platte schön luftig und cool daher, live wird schonungslos abgerockt.

Unentwegt raucht es dazu aus den selbstgebastelten Vulkane­n, die rote Bühnensonne wandelt sich bald zum mystisch glühenden, blauen Mond. Der Gig folgt einer Erzählung: „Wenn das bis jetzt ein wilder Ritt in den Sonnenuntergang war, dann folgt jetzt die sternenklar­e Nacht“, ruft Köck zur Halbzeit von der Bühne.

Auch ruhigere Nummern finden jetzt Platz: Bei „Do Not Go Gentle Into that Good Night“ bleiben nur die (großartige!) Stimme von Widmer und ein­e Kerze übrig. Abgeschlossen wird das Konzert mit dem ungemein coolen „Summer Sun“, bevor der Vulkan mit dem wilden „Mapache“ nochmal ausbricht: Alle tanzen. Rudern. Drehen durch.

Nach der Zugabe sind dann aber alle Nummern der Band aufgebraucht. Man ist also gespannt, was da noch kommen wird. Und hofft, dass es bis zum nächsten Aufschlagen von Cari Cari in Tirol nicht mehr ganz so lang dauert.


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