Tiroler Symphonieorchester: Ereignisse voll tiefer Melancholie

Zwei Interpreten-Entdeckungen mit Mozart und Mahler im November-Konzert des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck.

Mit Rafael Fingerlos und Kristiina Poska musizierten Talente der jüngeren Generation mit dem Tiroler Symphonieorchester Innsbruck.

Von Ursula Strohal

Innsbruck – Mozart war bislang keine auffallende Stärke des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck, Mahler immer. Die Kombination im Konzert vergangenen Donnerstag überzeugte vor allem durch die Brücken der Interpreten. Die Ouvertüren zur „Zauberflöte“ und zu „La Clemenza di Tito“ zeigten zwar nicht mehr als ein routiniertes Opern­orchester, aber Mozarts Konzert­arien „Io ti lascio, o cara, addio“ und „Rivolgete a lui lo sguardo“ erfuhren feine, charaktervolle Unterstützung. Der junge Salzburger Bariton Rafael Fingerlos, an der Wiener Staatsoper engagiert und darüber hinaus international unterwegs, führte sich in dem Abschiedslied mit schlichtem Seelenton ein, um sich dann im selbstbewusst virilen Guglielmo-Ton opernhaft zu behaupten. „Rivolgete“ hatte Mozart ursprünglich für „Così fan tutte“ geschrieben, dann aber ersetzt.

Am Pult stand Kristiina Poska, seit dieser Saison Musikdirektorin des Theaters Basel und Chefdirigentin des Symphonieorchesters Flandern. Mit 34 hat die heute 41-Jährige als erste Frau den Deutschen Dirigentenpreis gewonnen. Eine konzentriert agierende Musikerin, deren Blick und theatralikfreier, knapper Gestik das Orchester hörbar gerne folgt, von deren Musikalität und Sachlichkeit man sich auch als Zuhörer animiert fühlen kann, weil sie ihre Ziel­e erkennen und dennoch das Orchester mit seinen individuellen Stimmen ausmusizieren lässt. Mozart hält sie schlank, vibrato­arm, bewegt, genau phrasiert, fern von spätromantischer Süffigkeit.

Die Transparenz nimmt sie bei größerer Besetzung mit in Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“, da gibt es Klang, blühende Soli, Schmerz, Sehnsucht, Ironie. Rafael Fingerlos bleibt auch bei Mahler im hochsensiblen Lied-Modus, setzt die Farben seines wandlungsfähigen, eher tiefen Baritons ein, zeigt intensive, nie überzogene Emotion.

Mozarts g-Moll-Symphonie KV 550 profitiert von dem geschmackvollen Ansatz, man hört seine tiefe Bewegtheit und Melancholie, seine beredte Wehmut. Ein positiver Kontrast zur barschen Interpretation Philippe Herreweghes vor zwei Wochen im Meisterkonzert.

Das November-Konzert des TSOI wird am 20. November, mitten in der Jubiläums­woche „70 Jahre Jeunesse Öster­reich“, in derselben Besetzung im Klassik-Zyklus der Jeuness­e im Wiener Konzerthaus zu hören sein.


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