„Tränen der Erde“: Urkatastrophe anhand des Biotops Familie betrachtet

Das Autorenduo Zach/Bauer begleitet in „Tränen der Erde“ eine protestantische und eine katholische Familie durch den Dreißigjährigen Krieg.

Historiker gehen davon aus, dass im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) rund sechs Mio. Menschen starben. Im Bild: eine Darstellung der Schlacht von Lützen.
© imago stock&people

Von Alexandra Plank

Innsbruck –Der Dreißigjährige Krieg wird in Geschichtsbüchern als die deutsche Urkatastrophe bezeichnet. Das Erfolgsduo Bastian Zach und Matthias Bauer spricht im Nachwort seines Romans „Tränen der Erde“ davon, dass der Krieg beinahe zwei Drittel der deutschen Bevölkerung das Leben kostete. Neben den direkten Kampfhandlungen waren vor allem Hunger und Seuche­n für das Massensterben während des Krieges verantwortlich.

Doch wie soll man das Leid, das der Glaubenskrieg über die Menschen brachte, und die lange Zeit, die die Auseinandersetzungen dauerten, anschaulich machen? Indem man die Verwerfungen im Kleinen betrachtet. Zach und Bauer, Ersterer schreibt in Wien, der andere in Tirol, haben für die Demonstration der großen Katastrophe in einem kleinen Biotop die Stadt „Schwäbischwer­d“ gefunden, die heute Donau­wörth heißt. Dort lassen sie ihr episch-historisches Familiendrama spielen.

Die Protagonisten der Familie Heidfeldt (katholisch) und Ackermann (protestantisch) sind so genau charakterisiert, dass der Leser sich schnell ein Bild von ihnen machen kann, wodurch auch keine Verwechslungen der Personen passieren. Der unterschiedliche Glaube trennt die Familien, doch sie haben viel gemeinsam: Sie sind nicht nur durch die Liebe ihrer ältesten Kinder verbunden, vielmehr teilen sie ein dunkles Geheimnis aus ihrer Vergangenheit.

Faszinierend ist bei den Büchern des Erfolgsduos, dass das Endprodukt wie aus einem Guss daherkommt, obwohl beide räumlich getrennt ganze Kapitel schreiben.

Bastian Zach und Matthias Bauer erzählen eine große Tragödie im Kleinen. Ihr Roman „Tränen der Erde“ entführt in die Neuzeit. In die Stadt Schwäbischwerd, wo der Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken eskaliert.
© sabine Zach

Gemeinsam haben sie unter anderem schon die Trilogie „Morbus Dei“ verfasst sowie Drehbücher, zuletzt zur internationalen Kinoproduktion „Northmen – A Viking Saga“. Mit den Epen „Das Blut der Pikten“ und „Feuersturm“ erweckten sie die Welt der Wikinger zum Leben.

Ihre Sprache ist nicht kunstvoll, sondern zweckmäßig, die gewählten Bilder naheliegend, dennoch oder vielleicht deshalb entwickelt der Roman von der ersten Seite an eine große Sogwirkung. Indem geschichtliche Ereignisse zusammengezurrt werden, auf einen Ort und gar auf zwei Familien, entsteht Mitgefühl.

Die Geschichte ist so komponiert, dass der Leser zwar meint, er sei auf Augenhöhe mit den Autoren, diese aber doch immer einen Schritt voraus sind und noch eine Abzweigung in petto haben.

Während Bauer versichert, dass dieser Roman wenig „gewaltvoll“ und explizit (in Hinblick auf sexuelle Ausschweifungen) und daher jugendfrei sei, ist „Tränen der Erde“ doch nicht die Art Literatur, die Eingang in die Leselisten der Schulen finden wird. Andererseits ist die Jugend heute mit ganz anderen, vor allem visuellen Eindrücken in Sachen Sex and Crime konfrontiert.

Neben der Tatsache, dass es sich bei „Tränen der Erde“ um wirklich gute Unterhaltungsliteratur handelt, wird auch Interesse an Geschichte geweckt. Zach und Bauer haben viel recherchiert und laden zur Zeitreise in die Neuzeit ein.

Die Kunst ist, dass man nicht nur die verdreckte Stadt vor Augen hat, sondern einem auch unweigerlich die herben Düfte in die Nase steigen.

Roman Bastian Zach, Matthias Bauer: Tränen der Erde. Heyne Verlag, 555 Seiten; 10,99 Euro.


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