Haarspendeaktion in Reutte: 53 Zöpfe schenkten kranken Kindern Kraft

Eine Haarspendeaktion zweier HLW-Schülerinnen brach alle Rekorde. 53 Frauen trennten sich mit einem Lächeln von ihrer Haarpracht.

Die HLW als Friseurstudio.
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Von Simone Tschol

Reutte –Beim Betreten des Foyers im Tiefparterre der Höheren Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe (HLW) in Reutte hatte man kurzzeitig das Gefühl, mitten im großen Umstyling von „Germany’s next Topmodel“ gelandet zu sein. Doch im Gegensatz zum tränenreichen TV-Format gab es in Reutte nur strahlende Gesichter.

Die Basis dafür legten die beiden Schülerinnen Rosa Lämmle und Tamara Krstic. Sie arbeiten an einer Diplomarbeit über den Verein „Die Haarspender“. Dieser sammelt Haare mit einer Mindestlänge von 30 Zentimetern, um daraus Echthaarperücken für Kinder und Jugendliche anfertigen zu lassen, die ihre eigenen Haare durch Krankheit verloren haben. „Ich habe meine Haare schon vor eineinhalb Jahren gespendet und dachte mir, warum sollten wir nicht zu so einer Spendenaktion aufrufen? Wir haben auf fünf bis acht Spenden gehofft. Mit zehn wären wir richtig glücklich gewesen“, erzählt Rosa Lämmle. Doch was dann geschah, hat selbst die kühnsten Hoffnungen übertroffen.

Der Andrang auf die Charityaktion von Tamara Krstic und Rosa Lämmle ( v. l.) war enorm.
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Fünf Friseurinnen, die sich in den Dienst der guten Sache stellten, waren nötig, um den Andrang zwischen 10 und 14 Uhr bewältigen zu können. „Das ist der absolute Wahnsinn“, zeigen sich die Initiatorinnen überwältigt.

Eine der Spenderinnen ist Julya Steiner aus Ehrwald. Sie trägt seit Freitag eine stylische Kurzhaarfrisur. „Ich habe von der Aktion erfahren und gedacht, warum nicht? Mein Mann wird zwar komisch schauen und meine Tochter wird mich nicht wiedererkennen, aber das macht man doch gerne. Es ist nichts leichter, als Haare zu spenden. Die wachsen ja wieder“, erklärt sie mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht.

Sie wechselte mithilfe von Friseurin Nina Grossauer von schulterlang zu Glatze.
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Yvonne Fiegenschuh nach der Radikalveränderung.
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Die radikalste Typveränderung lieferte Yvonne Fiegenschuh aus Höfen.
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Das Lächeln ist auch Yvonne Fiegenschuh aus Höfen nicht vergangen. Und das, obwohl sie die wohl mutigste Entscheidung des Tages getroffen hat. Fiegenschuh wechselte nämlich vom schulterlangen Haar zur Glatze. „Ich wollte schon immer eine Glatze. Ich habe nur auf den richtigen Moment gewartet. Jetzt ist er da“, meint die 20-Jährige, während Friseurin Nina Grossaue­r den Trimmer ansetzt und ihr Stück für Stück zum Haarlos-Look verhilft.

Die Spendenbereitschaft war enorm und das quer durch alle Altersschichten. Insgesamt 53 Haarspenden kamen zusammen.

Überwältigt davon zeigt sich auch der Gründer des Vereins „Die Haarspender“, Holger Thomas Möller, der eigens dafür ins Außerfern gekommen war. „Super Aktion. Wir konnten seit der Vereinsgründung 2016 schon 167 Perücken kostenlos übergeben und ich hoffe, dass wir die 200er-Marke bald knacken.“

Möller hat die Haare mit nach Wien genommen. Dort werden sie nach den Wünschen der Kinder aus drei bis vier unterschiedlichen Zöpfen zusammengestellt und einem Perückenmacher übergeben. „Die Herstellung einer Perücke kostet zirka 360 Euro. Wenn wir in gleichem Maß wie Haar- auch Geldspenden für die Fertigung bekämen, wäre das ein Traum.“ Infos unter www.diehaarspender.at


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