Bezirk Schwaz ist auf der Überholspur

Schwaz zählt laut Zukunftsranking zu Österreichs lebenswertesten Bezirken. Aber bei Innovation und Verkehr steht man noch auf der Bremse.

Unter Österreichs 94 Bezirken liegt Schwaz in der Gesamtwertung auf Platz 9.
© Stadtmarketing Schwaz

Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz –Es sind und bleiben die gleichen Themen wie immer. Verkehr, Fachkräftemangel und die Zukunft des Wirtschaftsstandortes sind Dauerbrenner im Bezirk Schwaz. Das zeigt auch eine Studie zum „Zukunftsranking der österreichischen Bezirke“ der Wirtschaftskammer. Dazu wurden die Bereiche Demografie, Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Innovation sowie Lebensqualität unter die Lupe genommen – wobei die Indikatoren teils schwer einordbar sind und es laut WK noch Verbesserungspotenzial gebe.

Unter Österreichs 94 Bezirken liegt Schwaz in der Gesamtwertung auf Platz 9. In puncto Lebensqualität sogar auf Platz 3 hinter Krems und Zwettl. „Auch bei den demografischen Daten und den Arbeitsmarktindikatoren erzielt Schwaz ein hervorragendes Ergebnis“, sagt Martina Entner, Obfrau der WK Schwaz. Noch etwas Aufholbedarf gebe es im Sektor Hightech oder im tertiären Bildungsbereich.

„Auf Basis der Studie haben wir uns mit Unternehmern aus dem Bezirk und Experten Gedanken zur Zukunft gemacht“, sagt Entner. Dabei wurden Lösungsansätze für die drei Dauerbrenner erörtert.

Verkehr: Bezirkshauptmann Michael Brandl strebt – im Gegensatz zur bisherigen Fleckerlteppich-Herangehensweise – eine Gesamtlösung für den Bezirk an. Daran wird mithilfe des Regionalmanagements Schwaz-Achental und mit Vertretern aller Bereiche gearbeitet. Mittlerweile sei auch endlich der Planungsverband Zillertal mit an Bord. Spätestens 2022 hofft man seitens des Regionalmanagements auf die Umsetzung einer Leaderregion und somit den Zuschlag für verschiedene Fördermittel der EU. Das Gesprächsklima sei laut Entner gut. Auch innovative Ideen werden diskutiert. „In der Diskussion um den Verkehr vermisse ich oft die Ehrlichkeit“, sagt WK-Präsident Christoph Walser. Alle würden immer die Schuld auf die Lkw und Lieferautos schieben. „Aber täglich werden in Tirol 80.000 Pakete ausgeliefert. Das ist ein gesellschaftliches Thema, wenn immer mehr Tiroler nur noch online bestellen“, sagt Walser.

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Fachkräftemangel: Mittlerweile hat man laut Entner nicht mehr nur einen Fachkräftemangel, sondern einen generellen Arbeitskräftemangel. „Wir brauchen eine geregelte Zuwanderung, weil wir den Bedarf im Bezirk nicht mehr decken können“, stellt sie klar. Man wolle gezielt im Osten Österreichs, aber auch in Kroatien oder Spanien um Fachkräfte werben. „Ein Problem ist dabei, dass viele Unternehmer die freien Arbeitsplätze nicht mehr beim AMS melden, weil sie meinen, dass sie sowieso niemanden bekommen. Das verfälscht aber Statistiken und wir können keine Mangelberufsliste für bestimmte Berufsgruppen erstellen“, erklärt Stefan Bletzacher, WK-Bezirksstellenleiter. Ohne Mangelliste könne man auch keine Fachkräfte von woanders herbringen.

Wirtschaftsstandort: Walser pocht auf die Vertragsraumordnung, um leistbaren Grund auf den Markt zu bringen. Das sei auch fürs Gewerbe wichtig. „Die Betriebe brauchen die Aussicht, sich vergrößern zu können“, sagt er. Zudem fehle die tertiäre Ausbildung im Bezirk. Viele junge Menschen gingen dem Bezirk „verloren“, wenn sie zum Studieren in die Nachbarbezirke wechseln und dort bleiben. Hoffnung hat man auf ein Kompetenzcenter in Rotholz oder im Stift Fiecht.


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