Erler Festspiele: Kritische Nachwehen der Causa Kuhn

Kommission bestätigt sexuelle Übergriffe durch den Ex-Intendanten. Künstlerinnen verlangen Entschuldigung von Erl.

Gustav Kuhn ist in Erl Geschichte. Beate Palfrader und Hans Peter Haselsteiner leiten als Stiftungsvorstände weiter die Festspielgeschicke.

Wien, Erl, Innsbruck – In der Causa Festspiele Erl gehen jen­e fünf Künstlerinnen, die Ex-Intendant Gustav Kuhn sexuelle Übergriffe zur Last gelegt (und ihn damit zu Fall gebracht) hatten, erneut an die Öffentlichkeit. In einem offenen Brief verlangen die Sängerinnen Manuela Dumfar­t, Bettine Kampp, Julia Oesch und Mona Somm sowie Violinisti­n Ninela Lamaj eine öffentliche Entschuldigung von der Festspielleitung.

Die fünf Frauen verweisen auf das abschließende Gutachten der Gleichbehandlungskommission im Bundeskanzleramt. Demnach seien in allen fünf geprüften Fällen „zweifelsfrei sexuelle Belästigungen durch Kuhn festgestellt“ worden, von „vulgärer Anmache und Aufforderung zu Sex“ bis hin zum „Griff an Brüste und an die Scham“.

Schon im Sommer war das Gutachten publik und von Kuhns Anwalt Michael Krüger umgehend zurückgewiesen worden: Die Vorwürfe gegen Kuhn seien unwahr, das Verfahren sei nicht nach rechtsstaatlichen Grundsätzen durchgeführt worden.

Die fünf Künstlerinnen kritisieren jetzt den Erler Stiftungsvorstand vehement. Dieser besteht aus Präsident Hans Peter Haselsteiner, Kulturlandesrätin Beate Palfrader (ÖVP) und Sektionschef Jürgen Meindl (Kulturministerium). Der Kern der Vorwürfe an die Erler Spitze: Die Glaubwürdigkeit der Künstlerinnen sei zunächst in Zweifel gezogen worden. Überdies habe die Festspielleitung den „Machtmissbrauch Kuhns“ über Jahre geduldet.

Zu einer Entschuldigung im wörtlichen Sinn dürfte es aber nicht kommen. Landesrätin Palfrader zeigt sich bestürzt. „Ich kann mich nur für etwas entschuldigen, das ich selber getan habe“, betont die Politikerin. Sie habe die Vorwürfe der Künstlerinnen sehr ernst genommen und sei im Vorjahr umgehend tätig geworden. „Der Stiftungsvorstand hat ja selbst die Gleichbehandlungskommission mit dem Fall befasst“, so Palfrader. „Hätte ich früher von den Vorwürfen gewusst, wäre ich auch früher tätig geworden.“

In einer Stellungnahme des gesamten Stiftungsvorstandes wird die Haltung Palfrader­s weiter untermauert. Wesentliche Schritte, wie die Beurlaubung und schließlich die Abberufung Kuhns, seien 2018 mit dem Ziel erfolgt, den Fall lückenlos aufzuklären.

Indessen dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Innsbruck an, noch bis Dezember. Die Anklagebehörde wollte das Verfahren gegen Kuhn schon einstellen. Auf Geheiß des Justizministeriums muss nun aber das Gutachten der Gleichbehandlungskommission auf strafrechtliche Relevanz geprüft werden. Für Kuhn gilt die Unschuldsvermutung. (mark)


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