EU verschärft Bio-Auflagen: Viele Bauern mit Tierhaltung betroffen

Österreichische Biobauern mit Tierhaltung müssen sich auf strengere Auflagen einstellen. Die Anzahl der Biobauern könnte laut einem Bericht der Salzburger Nachrichten um „eine Zahl im niedrigen vierstelligen Bereich“ zurückgehen - Die Zahl der Betroffenen ist für das Landwirtschaftsministerium „derzeit nicht abschätzbar“.

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© Thomas Boehm / TT

Wien – Österreichische Biobauern mit Tierhaltung müssen sich auf strengere Auflagen einstellen. Nach einer Prüfung durch die EU-Kommission und wegen der EU-Bioverordnung 2021 werden zahlreiche Ausnahmen bei der Weidehaltung gestrichen. Das Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium, die Landwirtschaftskammer und Bio Austria haben nun ein Schreiben an 18.000 potenziell betroffene Biobauern verschickt.

Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der mehr als 24.000 Biobauern zumindest um „eine Zahl im niedrigen vierstelligen Bereich“ zurückgehen wird, schreiben die „Salzburger Nachrichten“ (Freitagsausgabe) unter Verweis auf Agrarvertreter. Wie viele Biobauern wegen fehlender Weidemöglichkeiten künftig nicht mehr als biologisch zertifiziert werden können, sei „derzeit nicht abschätzbar“, hieß es aus dem Landwirtschaftsministerium am Freitag zur APA.

Keine Ausnahmen bei Zugang zu Weiden mehr

Die EU-Kommission hat die Umsetzung der Bio-Verordnung im Jahr 2017 geprüft. Von zehn Kritikpunkten sind laut Landwirtschaftsministerium sieben abgehakt und drei noch offen bis zur neuen EU-Bioverordnung 2021. Neben strengeren Bio-Kontrollen des Lebensmitteleinzelhandels sind von den Änderungen vor allem landwirtschaftliche Betriebe mit Tierhaltung betroffen. Ab dem Jahr 2020 muss jeder heimische Biobetrieb, der Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde hält, diesen Tieren Zugang zur Weide ermöglichen. Schon asphaltierte Wege oder Entfernungen zu Wiesen von mehr als 200 Metern reichen derzeit noch aus, um eine Ausnahme von der Weidepflicht in Anspruch nehmen zu können, schreiben die Salzburger Nachrichten. Dies wird ab 2020 nicht mehr möglich sein.

Weitere künftige Änderungen betreffen die Überdachung von Auslaufflächen und Eingriffen bei Tieren, wie etwa die Enthornung. Für die Enthornung sind in Zukunft einzelbetriebliche Genehmigungen notwendig. „Wir sind generell nicht glücklich damit, dass viele Höfe innerhalb einer sehr kurzen Frist mit diesen Änderungen konfrontiert sind“, sagte Markus Leithner, Pressesprecher von Bio-Austria, kürzlich dem „Kurier“. Agrarvertreter empfehlen betroffenen Bauern in das Agrarumweltprogramm „Tierschutzweide“ einzusteigen. Derzeit erhalten 16.000 Biobetriebe eine Förderung für die Weidehaltung.

Österreich gilt EU-weit als Bio-Musterland. Der Anteil der Bioflächen an der landwirtschaftlich genutzten Fläche beträgt derzeit rund ein Viertel. (APA)


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