Konjunktur nächstes Jahr so schwach wie zuletzt 2015

Laut Vorhersage der UniCredit Bank Austria steigt die Arbeitslosigkeit im kommenden Jahr erstmals seit fünf Jahren wieder an. Auch der Konsum als wichtige Konjunkturstütze lässt nach.

(Symbolfoto)
© dpa

Wien – Das heimische Wirtschaftswachstum bremst sich zusehends ein und erreicht 2020 mit voraussichtlich rund 1 Prozent ein Fünfjahrestief. Für heuer gehen die Ökonomen der UniCredit Bank Austria nur noch von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,5 Prozent aus, nach einem wesentlich deutlicherem Plus von 2,4 Prozent im vergangenen Jahr.

„Die Inlandskonjunktur verliert an Dynamik“, erklärte Chefökonom Stefan Bruckbauer heute, Freitag. Die Stimmung in der Bauwirtschaft und im Dienstleistungssektor habe sich verschlechtert. „Und trotz der jüngst leichten Aufwärtsbewegung zeigt mittelfristig auch der Trend des Verbrauchervertrauens nach unten.“

Konsumnachfrage wird schwächer

Der Konsum werde zwar 2020 weiter „die maßgebliche Unterstützung für das Wirtschaftswachstum in Österreich“ sein, aber wohl nur noch etwas schwächer zulegen können. Grund dafür sind der schlechtere Arbeitsmarkt und geringere Lohnzuwächse.

Denn: „Erstmals seit 2015 wird die Arbeitslosenquote wieder ansteigen“, erwartet der Konjunkturexperte Walter Pudschedl für das kommende Jahr. Heuer im Oktober habe sich die Zuversicht in der österreichischen Industrie gegenüber dem Vormonat „stark verschlechtert“.

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Die geringe Dynamik im globalen Handel infolge des Zollkonflikts zwischen den USA und China und die Sorge um eine Verschärfung bei den US-Autoimportzöllen hätten den exportorientierten Produktionssektor „mittlerweile sogar in eine Rezession geführt“, so Bruckbauer. Wegen der sinkenden Kapazitätsauslastung verlieren Ausrüstungsinvestitionen - trotz der anhaltend günstigen Finanzierungsbedingungen - an Tempo. Das gilt auch für die Bauinvestitionen.

So schwach wie zuletzt 2015

2020 soll sich die Arbeitslosigkeit jedenfalls auf 7,5 Prozent erhöhen, nachdem sie heuer voraussichtlich noch einen Rückgang von 7,7 Prozent (2018) auf durchschnittlich 7,4 Prozent zeigt. Das Wirtschaftswachstum werde 2020 zu gering ausfallen, um die Lage am Arbeitsmarkt stabil zu halten. Das Beschäftigungswachstum werde mit weniger als 1 Prozent „nicht ausreichen, um das stärker steigende Arbeitskräfteangebot zu kompensieren“.

Bereits heuer zum Jahresausklang soll der BIP-Anstieg laut aktuellem Bank-Austria-Konjunkturindikator nur noch etwa ein Prozent im Jahresabstand betragen. Damit wird die österreichische Wirtschaft im vierten Quartal 2019 das schwächste Wachstum seit über vier Jahren aufweisen. Ein BIP-Plus von nur ein Prozent gab es zuletzt im Jahr 2015. (APA)


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