Sternderlstunde für Schüler, die nicht allen gefällt

Pädagogen können fortan via Handy-App beurteilt werden. Deren Standesvertretern missfällt diese Neuerung.

App-Erfinder Benjamin Hadrigan: Nach Kategorien können die Schüler nun nicht nur ihre Lehrer, sondern auch ihre Schule bewerten.
© APA

Von Karin Leitner

Wien –Lehrer beurteilen Schüler – das ist die Norm. Nun können auch Schüler Lehrer bewerten. In Österreich und in Deutschland – mittels einer App. „Lernsieg“ ist diese benannt, entwickelt hat sie der 17-jährige Wiener Schüler Benjamin Hadrigan.

Fünf Sterne können Schüler der AHS-Unter- und Oberstufe sowie der Neuen Mittelschule geben, ein Stern kommt einem „Nicht genügend“ gleich. Kategorien sind etwa Unterrichtsvorbereitung, Fairness, Motivation und Pünktlichkeit. Bei weniger als fünf Sternen kann konkretisiert werden, woran es mangelt. Für jede Schule gibt es dann ein Ranking der „besten“ Lehrer.

Beurteilt werden können nicht nur die Pädagogen, sondern auch die Schulen. Die Kategorien dafür: das Lehrangebot, Neue Medien, Sportstätten, Sauberkeit.

„Mir geht es darum, Schülern eine Stimme zu geben. Ich möchte ein transparentes Schulsystem. Lehrer mit negativen Bewertungen erkennen ihre Schwächen – und können daran arbeiten“, sagt Hadrigan. Was sagt er jenen, die Bedenken haben, Ver­naderung, Lehrer-Bashing befürchten? „Es gibt keine Kommentarfunktion, daher kein Bashing. Einen Lehrer zu diffamieren, ist nicht möglich.“

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Und was sagt er der Lehrergewerkschaft, die um den Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte der Pädagogen fürchtet – und die App rechtlich prüfen lässt? Die Standesvertreter hätten „rechtlich keine Chance“, meint Hadrigan. „Ich lade sie ein, an der App mitzuarbeiten.“ Hadrigan hat bei der Präsentation den Medienanwalt Michael Krüger, der im Jahr 2000 unter Schwarz-Blau Kurzzeitminister war, an der Seite. Rechtlich zulässig sei die App, befindet dieser – und verweist auf die Meinungsfreiheit: „Dieses Recht auf Meinungsäußerung schützt nicht nur das Recht, die eigene Meinung zu sagen und zu vermitteln, sondern auch Meinungen anderer entgegenzunehmen und zu transportieren. Genau so ist es auch bei dieser Bewertungsplattform.“

Kann nicht manipuliert werden? Kann nicht ein Schüler mehrmals bewerten? Oder kann jemand urteilen, der kein Schüler ist? Es könne nur einmal bewertet werden, antwortet Hadrigan; die Bewertung könne auch verbessert oder verschlechtert werden, wenn sich die Einschätzung ändert. „Wir haben in der App eine SMS-Verifizierung. Das bedeutet: Man muss sich mit der Telefonnummer registrieren, dadurch hat man eine Stimme. Wir gehen sicher mit der Telefonnummer, dass man nur eine Schule bewerten kann.“ Krüger sagt: „Missbrauch wird man nie ganz ausschließen können.“

Finanziell unterstützt wird Hadrigan in Sachen App von einem Konsortium rund um Philipp Ploner, der eine Kommunikationsagentur hat. „Eine kleine Gruppe von Privatpersonen“ sei das – und „eine prominente Person aus der Wirtschaft“, die erst im Jänner vorgestellt werde, sagt er. Wie viel Geld ist bisher gegeben worden? Genaues gibt es dazu nicht. Ploner sagt lediglich: „Ein fünfstelliger Betrag.“

Pflichtschullehrergewerkschaftschef Paul Kimberger ändert ob des von Hadrigan und Co. Geäußerten seine Meinung nicht. Einmal mehr verwahrt er sich gegen „eine populistische App“. Er glaubt, dass es deren Machern nicht primär um Schüler gehe; sie wollten damit Geld verdienen. Das sei legitim, konstatiert Kimberger – „aber sicher nicht auf Kosten der Lehrerinnen und der Lehrer“. Nimmt er Hadrigans Angebot, an der App mitzuwerken, an? Wohl nicht. „Guter Stil“ wäre für Kimberger gewesen, wenn die Gewerkschaft von Anfang an mitarbeiten hätte können.


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