Weniger Lebensmittelabfall: “Genuss Box“ nun auch in Tiroler Restaurants

Das neue Projekt „Genuss Box“ soll den Tiroler Gast dazu bewegen, übrig gebliebenes Essen mitzunehmen – ohne sich dafür zu genieren.

Keine falsche Scham: In der „Genuss Box“ kann man nicht Verzehrtes vom Lokal mit nach Hause nehmen.
© Genuss Box

Von Susann Frank

Innsbruck –Mit einer Box gefüllt mit Essensresten das Restaurant zu verlassen, wird in Tirol bald selbstverständlich sein. Die „Genuss Box“ soll sogar „schicklich sein“, wie Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe betonte. Diese gut tragbare Schachtel wurde gestern vom Land Tirol, der Wirtschaftskammer Tirol/Fachgruppe Gastronomie, Abfallwirtschaft Tirol Mitte und dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus vorgestellt.

Hintergrund der Aktion ist, genießbare Lebensmittel nicht einfach wegzuwerfen, sondern sie zu retten. Denn was der Gast einmal auf dem Teller hatte, darf nicht einmal mehr als Schweinefutter wiederverwertet werden, sondern muss entsorgt werden.

Beim „Weisses Rössl“ in Innsbruck landen die Reste laut Aussagen von Chef Klaus Plank natürlich in der grünen Tonne. So wie es sein soll. Hierzulande werden jedoch immer noch 13.500 Tonnen an genießbaren Lebensmitteln in die Restmülltonne geworfen. Wie viel mehr Kostbares davon auch noch auf den Kompost oder in die grüne Tonne wandert, ist laut Abfalltechniker Martin Mölgg vom Land nicht eruierbar.

Diese unbekannte Menge soll die „Genuss Box“ verringern. Die zu hundert Prozent aus recycelbarem bzw. kompostierbarem Karton und Papier aus nachhaltiger Forstwirtschaft hergestellte Schachtel wurde dafür probeweise an 3700 Betriebe geschickt. Diese können 180 Stück zum Preis von 60 Euro bestellen. „Bisher haben 20 Betriebe nachbestellt“, berichtete Alois Rainer. Der Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Tirol führt an, dass zuletzt jedoch viele Betriebe entweder geschlossen gewesen oder aufgrund der Zwischensaison mit halber Kraft gefahren seien. Durch die jetzige Werbetrommel soll das Projekt angeschoben werden: „Das Pflänzchen ist noch ein zartes, das jetzt kräftig gegossen werden muss.“

Alfred Egger, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Tirol Mitte, führt den „Öli-Eimer“ als gutes Beispiel an: „Er wurde in Westösterreich erfunden und ist mittlerweile europaweit im Einsatz.“

Die „Genuss Box“ startete 2017 im Ursprungs-Bundesland Vorarlberg, soll jetzt Tirol einnehmen und danach ganz Österreich. Der Behälter ist schließlich nicht nur nachhaltig, sondern sogar vielseitig. Nicht nur das Wiener Schnitzel und der Kartoffelsalat können damit problemlos nach Hause transportiert werden, sondern auch die Gerstlsuppe oder der Germknödel in Vanillesauce. Die lebensmittelechte Schachtel ist wasserdicht. Zudem ist das Material wärme- und kälteisolierend und für Mikrowelle, Backofen und Kühlschrank bestens geeignet.

„Wir haben viel positive Rückmeldungen von Personen, die sie bisher ausprobiert haben“, betont Plank, der den Service schon in seinem Restaurant anbietet.

Felipe hebt noch einmal hervor, dass es ganz wichtig sei, dass der Gast selbst jetzt „keinen Genierer mehr hat, wenn er Übriggebliebenes mitnimmt“.


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