Beim ÖFB-Team steht ein Zweier im Semesterzeugnis

Nach der EM-Qualifikation war es Kapitän Julian Baumgartlinger ein Anliegen, etwas loszuwerden: „Wir sind die erste Schülermannschaft bei einer EM.“ ÖFB-Präsident Leo Windtner nahm den Seitenhieb locker.

Ein Selfie in Ehren kann auch Österreichs Teamchef Franco Foda nicht verwehren.
© gepa

Aus Wien: Tobias Waidhofer

Wien – In der Stunde des Triumphs blickte Julian Baumgartlinger in den Katakomben des Ernst-Happel-Stadions erst einmal in den Rückspiegel. Und zwar zurück in den März, als nach der 2:4-Niederlage in Israel ÖFB-Präsident Leo Windtner das Gegentor zum 1:2 als eines mit „Schüler­mannschafts-Charakter“ bezeichnet hatte.

„Da sind aus den eigenen Reihen Schüsse gekommen. Schön wäre gewesen, wenn das intern besprochen worden wäre“, meinte der Kapitän. „Schön, dass wir die erste Schülermannschaft sind, die sich für die EM qualifiziert hat“, meinte der 31-Jährige mit einem Augenzwinkern und legte nach: „Es ist oft so, dass sich der Direktor nur im Erfolgsfall vor die Mannschaft stellt und sonst draufhaut. Das kennen wir schon.“

Und was sagte „Direktor“ Leo Windtner? „Das Thema ist längst ausgestanden, wir haben uns ausgeredet. Ich weiß, dass er nachher einigermaßen sauer war, aber ich glaube, wir (Anm.: ÖFB) haben auch allen Grund gehabt, sauer zu sein nach der Vorstellung in Israel. Aber wir haben die Dinge ausgeräumt.“

„Vielspieler“ flogen bereits nach Hause

Um beim Bild zu bleiben: Das ÖFB-Nationalteam hat sich mit dem gelösten EURO-Ticket einen „Zweier“ im Semesterzeugnis verdient, der „Einser“ kann aber erst im Sommer bei der Europameisterschaft erkämpft werden.

Schon im Vorfeld hatte Baumgartlinger betont, das mögliche EM-Ticket „nicht überzelebrieren“ zu wollen. Ein Ansinnen, das gelungen scheint: Der Kontrast zur Feier anlässlich der EM-Teilnahme 2016 war unübersehbar: keine Bühne, nur einige obligatorische Bierduschen, eine Ehrenrunde samt Transparent und ein Ausflug ins Wiener Nachtleben ohne den Teamchef („Dafür bin ich zu alt“) – das war’s. „Es gibt jetzt kein großes Jubelszenario. Wir haben eine komplett andere Herangehensweise als vor vier Jahren“, erklärte Präsident Leo Windtner.

EM-Qualifikation am Dienstag

Gruppe C

Niederlande - Estland 20.45 Uhr

Deutschland - Nordirland 20.45 Uhr

Gruppe E

Slowakei - Aserbaidschan 20.45 Uhr

Wales - Ungarn 20.45 Uhr

Gruppe G

Lettland - Österreich 20.45 Uhr

Nordmazedonien - Israel 20.45 Uhr

Polen - Slowenien 20.45 Uhr

Gruppe I

Belgien - Zypern 20.45 Uhr

Schottland - Kasachstan 20.45 Uhr

San Marino - Russland 20.45 Uhr

Die Nacht von Samstag auf Sonntag war dann aber doch eine kurze, das gestrige Training wurde gestrichen. Gar nicht mehr mit zum abschließenden und bedeutungslosen Spiel in Lettland (Dienstag, 20.45 Uhr, live ORF eins) fliegen die „Vielspieler“ David Alaba, Marko Arnautovic, Martin Hinteregger, Konrad Laimer, Stefan Lainer, Marcel Sabitzer und Andreas Ulmer, dafür wurden die beiden Maximilian­s Wöber (Salzburg) und Ullmann (Rapid) nachnominiert.

Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel glich Teamchef Franco Foda dank der einen oder anderen Bierdusche nur optisch einem begossenen Pudel. Das Innenleben sah anders aus. „Das ist ein außergewöhnlicher Moment“, schwärmte der 53-Jährige. Sein Kontrakt verlängert sich mit der Qualifikation bis zur EM-Endrunde. An deren Verlauf wird sich Fod­a dann von „Direktor Windtner“ messen lassen müssen.


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