Wirtschaft stemmt sich gegen Maut am Fernpass

Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser sieht in möglicher Bemautung großen Wettbewerbsnachteil für Außerferner Unternehmen.

In der Wirtschaftskammer Reutte: WK-Geschäftsführer Wolfgang Winkler, Tirols WK-Präsident Christoph Walser und WK-Obmann Christian Strigl (v. l.) präsentieren neue Eckdaten zum Bezirk Reutte.
© Helmut Mittermayr

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Das Land Tirol spielt seit einigen Monaten mit dem Gedanken, am Fernpass eine Bemautung einzuführen. Ähnlich wie am Felbertauern in Osttirol könnte es dann eine Befreiung für einheimische Pkw-Lenker geben, nicht jedoch für Lkw. Und hier setzt Tirols Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser bei einer Pressekonferenz in der WK Reutte an. Wenn ähnliche Zahlungen wie am Felbertauern fällig würden, dann seien pro Fahrt 37 bis 46 Euro Zusatzkosten zu berechnen, rechnet Walser vor. „Das kann nicht auf die lokale Wirtschaft abgeladen werden.“ Zementindustrie Schretter mit vielen Fahrten am Tag etwa wäre massiv betroffen, ausländische Mitbewerber im Vorteil. WK-GF Wolfgang Winkler ergänzt, dass auch der Lebensmittelhandel in Mitleidenschaft gezogen würde: „95 Prozent der Nahrungsmittel im Bezirk Reutte werden über den Fernpass angeliefert. Die Mehrkosten müssten sicher an die Endverbraucher weitergegeben werden.“ Auch ein heimischer Tischler, der im Inntal einen Auftrag ergattere, würde die Mehrbelastung mit jeder Fahrt spüren. Die WK-Forderung: Die einzige Verbindung von Reutte zum Rest Tirols dürfe nicht erschwert werden. Es gebe nur einen Weg ins Inntal, aber sieben nach Bayern.

Walser weiß, dass täglich 80.000 Pakete in Tirol zugestellt werden, in Stoßzeiten 120.000. Man sehe: Für Lkw-Verkehr seien alle Bürger verantwortlich. Prinzipiell will die Kammer die Rolle des „Hintennachschimpfers“ beim Verkehr aber loswerden und selbst mit innovativen Vorschlägen aufhorchen lassen. Im Jänner sei es so weit.

Bei einem Vergleich aller Tiroler Bezirke kommt Reutte mit einer Bruttowertschöpfung von 41.500 Euro pro Einwohner aktuell auf Platz drei in Tirol (Innsbruck 47.600, Landeck 41.800, Schlusslicht Osttirol 29.100), beim durchschnittlichen Monatseinkommen mit 2589 Euro brutto auf Platz zwei in Tirol. Nur Kufstein (2600) liegt besser (Schlusslicht Kitzbühel, 2349). Die Außerferner Arbeitslosenquote mit Bestwert 1,88 % sei sowieso sensationell und der Bezirk nehme hier seit Monaten Rang eins in Österreich ein. Diese Form von Vollbeschäftigung sei aber nicht mehr hilfreich. So setzt Walser beim Thema Fachkräftemangel seine Hoffnungen nun auf das Zustandekommen der türkis-grünen Regierung – ein größerer Zuzug soll ermöglicht werden. Die zusätzliche Nachfrage für Saisoniers aus EU-Drittstaaten liegt tirolweit bei 2500, das Kontingent ermöglicht im Moment 250. Winkler: „Auch im Außerfern gilt Faktor 10. Genehmigt sind 25 Personen, gebraucht werden 250.“

Bezirkskammerobmann Christian Strigl betonte, dass die Wirtschaftskammer Reutte erfolgreiches Standortmarketing betreibe. Dazu gehöre etwa die größte Regionalmesse Tirols, die kommendes Jahr wieder anstehe, aber auch, ein Auge auf ganz andere Themen zu werfen, die mit einem attraktiven Standort einhergehen würden – Lebensqualität oder Demografie zum Beispiel. Der Bezirk wachse ganz leicht – immerhin kein Negativwert. In zehn Jahren kamen zumindest 685 Bewohner hinzu. Bei der Kinderbetreuung liegt das Außerfern auf Platz drei österreichweit, bei der Versorgung mit Arztpraxen hingegen nur auf Rang 93 von 94. Man wisse also, wo man künftig ansetzen müsse, um den Bezirk Reutte für potenzielle Arbeitskräfte attraktiv zu gestalten. Hier zähle mehr als nur der Job.

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