Aus dem Fotonachlass des einzig wahren Prince(n)

Drei Jahre nach seinem Tod ist nun eine Art Autobiografie von Prince auf dem Markt. Ein lesens- und betrachtenswertes Stück Musikgeschichte.

Zeichen der Zeit. Der junge Prince lichtet sich via Spiegel selbst ab.
© Heyne Verlag

Innsbruck, Minneapolis –War es die Vorahnung, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleiben würde? Jedenfalls arbeitete Prince in der letzten Phase vor seinem Tod im April 2016 mit ungewohnter Konsequenz daran, Stationen aus seinem Leben, das schlussendlich nicht ganz 58 Jahre umfasste, aufzuschreiben. Material darüber zusammenzutragen, wie aus Prince Rogers Nelson einer der letzten Superstars der Rockmusik wurde.

Das Projekt einer Autobiografie war kaum geboren, da war Prince tot. Gestorben an der Überdosis eines starken Schmerzmittels. Mysteriös. Mutmaßlich ein Versehen.

Dan Piepenbring wusste nicht, wie ihm geschah. Prince hatte den knapp 30-jährigen Youngster als Co-Autor angeworben. Jetzt stand der Journalist vor der Aufgabe, eine „unvollendete Autobiografie“ zu Ende zu bringen.

Im Look von „Purple Rain“ in den 80ern.
© Heyne Verlag

„The Beautiful Ones“ heißt das Buch, das vor Kurzem in deutscher Übersetzung herausgekommen ist, ganz in Purpur ummantelt als Reverenz an „Purple Rain“, den epischen Soundtrack zum gleichnamigen Film von 1984, der Prince den Eintrag in den Kanon der besten Alben aller Zeiten sicherte.

Auf 300 Seiten offenbart sich „The Beautiful Ones“ als Fundgrube für Fans, ganz egal, wie stark diese vom Prince-Fieber noch befallen sein mögen. Private Fotos aus Kindheitstagen, aus der Hüfte geschossene Schnappschüsse von den Karriereanfängen, Spickzettel, handschriftliche Notizen, ja sogar eine Art Drehbuch für „Purple Rain“ werden vor dem schmökernden Musikfreund ausgebreitet.

Prince wurde zur Marke, ein Egozentriker, der sich ständig neu erschuf und sich den Zwängen einer übermächtigen Musikindustrie nicht beugen wollte. Stattdessen blieb der Künstler seiner Heimat Minnesota treu, einem rauen Flecken im Norden der USA, an der kanadischen Grenze. Wahrlich kein Ort, an dem sich ein schwerreicher Megastar freiwillig aufhält. Doch Prince wusste, warum: „In Minnesota ist es so kalt, dass sich die schlechten Menschen fernhalten.“ (mark)

„Unvollendete“ Autobiografie Prince: The Beautiful Ones. Hrsg. Dan Piepenbring, 304 Seiten, 200 Abbildungen, Heyne, 32,90 Euro.


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