Ruinen im Rohbau: Filmfestival Inncontro im Leokino

Das Filmfestival Inncontro nimmt Arbeit im Kontext von Migration in den Blick. Eröffnet wird es heute mit Fatih Akins frühem Film „Wir haben vergessen zurückzukehren“.

Ziad Kalthoums „Taste of Cement“ ist morgen Freitag im Rahmen des Inncontro-Festivals als Tirolpremiere zu sehen.
© Filmestival Inncontro

Innsbruck –1965 folgte Mustafa Enver Akin dem Aufruf, als so genannter „Gastarbeiter“ aus der Türkei nach Deutschland zu kommen. 35 Jahre später wird er dem ersten Dokumentarfilm seines Sohnes Fatih Akin einen Titel geben: „Wir haben vergessen zurückzukehren“ (2000). Akins „Homemovie“ – eine Auftragsarbeit für die deutsche ARD – erzählt vom Heimischwerden in der Fremde und vom Fremdeln in der Herkunftsheimat. Heute Abend wird im Innsbrucker Leokino die zweite Auflage des Filmfestivals Inncontro mit „Wir haben vergessen zurückzukehren“ eröffnet (20.45 Uhr). Im Anschluss diskutieren Lina Dokuzovi´c und Ömer Alkin mit der Kulturjournalistin Ivona Jelcˇic´.

Inncontro widmet sich als Festival der Vielfalt heuer Aspekten der Arbeit im Kontext von Migration. Bis Samstag, 23. November, stehen – neben „Wir haben vergessen zurückzukehren“ – sechs Filme auf dem Programm. Darunter der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm „Taste of Cement“ von Ziad Kalthoum, der sich in einer doppelten Erzählbewegung in das Spannungsfeld von Rohbau und Ruine wagt. Kalthoum erzählt vom Krieg in seiner syrischen Heimat und vom Bau eines Wolkenkratzers im Libanon. Der wird von geflüchteten Arbeitern aus Syrien verantwortet. Modernen Sklaven, denen der Bauherr verboten hat, über ihre Situation zu sprechen (Freitag, 19.50 Uhr).

Ähnlich beeindruckend ist „Xalko“ von Sami Mermer, der jene Menschen ins Zentrum rückt, die im Zuge der Arbeitsmigration zurückgeblieben sind (Samstag, 17.45 Uhr). Alexandra D’Onofrio versucht sich in „Era Domani“ an der Dekonstruktion gängiger Arbeitsbegriffe – und führt am Beispiel dreier Migranten vor, dass gängige Kategorisierungsversuche dem Sachverhalt zumeist nicht gerecht werden (Samstag, 15.30 Uhr). Maren Wickwire widmet sich in ihrem Dokumentarfilm „Together Apart“ migrantischer Care-Arbeit und zeichnet nach, wie durch prekäre Berufe, die vornehmlich an Migranten delegiert werden, Abhängigkeiten ausgenutzt – und Ausbeutung quasi institutionalisiert wird (Samstag, 13.30 Uhr). (TT)


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