„Die Almwirtschaft aufgeben will wirklich niemand“

Die Stimmung bei den heimischen Landwirten ist gut. Ab nächstem Jahr ist das Außerfern der erste reine Heumilchbezirk in Österreich.

Die Schau zum 50-Jahr-Jubiläum des Schafzuchtvereins Breitenwang samt Bezirksbraunviehschau hat bei den Außerferner Bauern für positive Stimmung gesorgt. Diese konnte über das ganze Jahr hinweg „konserviert“ werden.
© Tschol

Von Simone Tschol

Breitenwang –Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler, Bauernbunddirektor Peter Raggl und Bezirks­obmann Christian Angerer luden Dienstagabend die bäuerlichen Entscheidungsträger des Bezirks zur Lagebesprechung ins VZ. Zuvor, bei einer Pressekonferenz, informierten sie über die Highlights, aber auch über die Sorgen der Außerferner Landwirte.

„Wolf und Bär haben uns dieses Jahr begleitet. Es waren zwar keine Schäden im Nutztierbereich zu beklagen, aber hier muss die Politik auf europäischer Ebene eine Lösung finden“, meint Angerer. Dem kann Geisler nur beipflichten. „Laut Experten gibt es derzeit in Europa 30.000 Wölfe, wenn man nichts unternimmt, sind es bald 60.000. Tirol ist keine Wildnis, wir sind dicht besiedelt und im Hochgebirge, wo die Schafe sich im Sommer aufhalten, ist der Herdenschutz mittels Zaun nicht umsetzbar.“ Geisler könnte sich eine Lösung „wie in Schweden“ vorstellen. Dort seien sensible Gebiete ausgewiesen worden, in denen eine Entnahme von verhaltensauffälligen Tieren mit Ausnahmebestimmung möglich sei. Die Almwirtschaft aufgeben sei ja auch nicht die Lösung. Das wolle wirklich niemand.

Angerer brennt zudem das Thema Widmungen unter den Nägeln. Er macht dies auch gleich an einem aktuellen Beispiel fest: „Nach der Übernahme der Molkerei in Reutte sind sechs Silomilchbauern vor der Entscheidung gestanden, aufzuhören oder ihren Betrieb auf Heumilch umzustellen. Alle haben sich entschlossen weiterzumachen. Aber jetzt müssen auch die nötigen Widmungen zeitnah abgewickelt werden.“ Die Umstellung biete auch neue Möglichkeiten. Angerer: „Wir sind ab nächstem Jahr der einzige reine Heumilchbezirk in ganz Österreich.“

Sorgen ganz anderer Art beschäftigten die Bauern im Lechtal. Sie hatten im Sommer mit einer Engerlingplage zu kämpfen. Diese breitete sich auf einer Fläche von 30 Hektar aus. Angerer: „Wir wollten die Betroffenen mit dem finanziellen Aufwand nicht alleine lassen. Die Kosten zur Bodenaufbereitung werden daher zu einem Drittel durch Gemeinde und zu einem weiteren Drittel durch das Land mitgetragen. Den Futterausfall bekommen die Bauern nicht abgegolten.“

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Auch das Thema Tbc sei noch nicht gänzlich vom Tisch. Angerer: „Das Wildgatter in Steeg funktioniert einwandfrei. Unsere Hausaufgaben sind gemacht.“ Dennoch sei ein kleines Problemjagdgebiet in Elbigenalp aufgetaucht. „Aber das ist in den Griff zu bekommen“, so Angerer, der hinzufügt: „Ein zusätzliches Gatter in Kaisers ist gerade in der Entstehung. Hier gilt vor allem jene Tiere zu überwachen, die aus Vorarlberg einwandern.“ Dort, sowie im Allgäu, sei die Lage nicht so unter Kontrolle wie im Außerfern.

Bauernbunddirektor Raggl will vor allem auf politischer Ebene mehr Druck erzeugen. „Wir haben maßgeblich zum Wahlerfolg der Volkspartei beigetragen. Nun müssen wir die Forderungen der Tiroler Landwirtschaft einbringen und schauen, dass diese umgesetzt werden.“ Raggl denkt dabei in erster Linie an die Ausgleichszahlungen für kleinbäuerliche Betriebe: „Wenn diese, und so sieht es derzeit aus, von der EU nicht in gewohntem Ausmaß fortgesetzt werden, muss der Bund einspringen.“

Das Jahr 2019 brachte aber auch viele Highlights aus bäuerlicher Sicht. Dazu zähle der Aufschwung der Bauernläden und der Direktvermarktung mit Automaten. Zudem habe die positive Stimmung der Schau zum 50-Jahr-Jubiläum des Schafzuchtvereins Breitenwang samt Bezirksbraunviehschau angehalten.

LHStv. Josef Geisler ging erwartungsvoll in die Bezirkskonferenz. „Wir bekommen dabei ein Bild, wo es unter den Nägeln brennt und wo nachjustiert werden muss.“ Die positive Stimmung im Bezirk sei auch auf Obmann Christian Angerer zurückzuführen. „Man sieht, dass junge Leute wieder engagiert sind und auch Investitionen tätigen. Wir müssen Perspektiven aufzeigen und Emotion in die Arbeit bringen“, sagt LHStv. Josef Geisler abschließend.


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