Emotionale Note begleitete Nauderer Glasfaser-„Andockmanöver“

Glasfasernetz konnte dank regionaler Impulsgeber und Interreg-Förderung diesseits und jenseits des Reschen zusammengeführt werden.

Symbolakt am Mittwoch in Nauders: Die Landeshauptmänner Arno Kompatscher und Günther Platter sowie Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (v. l.) verknüpften das Nord-/Südtiroler Glasfasernetz.
© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Nauders –„Die Reschengrenze verschwindet immer mehr“, stellte Südtirols LH Arno Kompatscher am Mittwochnachmittag in Nauders fest. Anlass für einen ungewöhnlichen Festakt mit emotionalen Reden war die Fertigstellung der ultraschnellen Nord-/Südtiroler Internetverbindung über den Reschen. Unweit der Staatsgrenze Österreich-Italien, bei einer alten Zollhütte, laufen die Knoten des Glasfasernetzes zusammen. Zweieinhalb Kilometer mussten von den Nauderer Bergbahnen bis zur „Andockstation“ bei der Zollhütte gegraben werden.

LH Günther Platter sprach von einem „Freudentag“. Einen Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen: „Da kann der bayerische Löwe brüllen, wie er will. Beim schnellen Internet ist er hinten. Wir haben die Nase vorne.“ Das grenzüberschreitende Netz bedeute Standortvorteile im Wettbewerb und Perspektiven für junge Leute.

„Wir überwinden alte Grenzen, nicht nur mit der Straße und mit der Schiene. Jetzt ist auch das Lichtwellenleiternetz dazugekommen“, hob LH Arno Kompatscher hervor. „So wird die Grenze immer weniger spürbar.“ Für ihn habe der Festakt 100 Jahre nach dem Friedensvertrag von Saint-Germain eine große symbolische Bedeutung. „Es wächst wieder zusammen, was zusammengehört“, so der Südtiroler Landeshauptmann, der aus seiner Begeisterung für das Projekt kein Geheimnis machte. Lobend­e Worte „für die Pionier­e in den Tälern“ fand Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischau­f. Nutznießer seien „die Menschen“ sowie „große und kleine Firmen“ in den Nachbarregionen Vinsch­gau und Obergricht.

Als Macher und treibend­e Kraft des Zusammenschlusses gilt der Zammer Netzwerk-Experte Hermann Hammerle. Er stellte klar: „Es waren sehr viele Entscheidungsträger, Bürgermeister und Partner, die einen Beitrag zu diesem Erfolg geleistet haben. Für die Abwicklung der Projektförderung haben wir dem Regionalmanagement regioL zu danken.“ Es handle sich um das erste „offene“ Nord-Südtiroler Netz, das es in dieser Form am Brenner nicht gebe. „,Offen‘ deswegen, weil es den Bürgern und Gemeinden gehört“, sagte der Experte. Jeder Interessierte hat Zutritt zu denselben Bedingungen.“

Bei der Kabelverlegung hab­e man die Staatsgrenze an einer Stelle um 20 Zentimeter überschritten. „Aber wir haben deswegen nicht Rom gefragt“, so Hammerle. Der Vorteil des Lückenschlusses liege auch in der Versorgungssicherheit. Bei einer Unterbrechung (heuer wegen Hochwassers bei Ried beinah­e passiert) laufe die Versorgung eben über Südtirol.


Kommentieren


Schlagworte