Düringer in Hall: Das Roadmovie läuft im Kopf

Roland Düringers Programm „Africa Twinis“ hatte am Mittwochabend im Haller Stromboli Tirol-Premiere. Morgen Abend macht er Halt in Wörgl.

Roland Düringer entführt in „Africa Twinis“ in die Welt der unerfüllten Träume; zu sehen morgen Abend (20 Uhr) im Komma Wörgl.Foto: Stromboli

Hall i. T. –Engelbert Fröschl hat schon mehr verloren, als es jetzt noch zu verlieren gibt: Die Frau ist weg, die Arbeit getan, die Mutter tot. Was dem ehemaligen Risikomanager noch bleibt, ist der Traum vom ganz großen Abenteuer: mit dem Sandkastenfreund Luisl einmal auf dem Motorrad nach Dakar.

Es ist noch gänzlich dunkel auf der Bühne im Haller Stromboli, als die Vorgeschichte zu Roland Düringers neuem Programm aus dem Off tönt. Nach der Politiksatire „Der Kanzler“ ist der Kabarettist, selbst erst aus der Realpolitik auf die Bühne zurückgekehrt, nun mit „Africa Twinis“ auf Tour. Die Zöpfchen im Bart sind ab und auch sein 13. Bühnenprogramm will von der Politik nichts mehr wissen. Thematisch kehrt er zu den alten Erfolgen zurück: Schon in „Benzinbrüder“ ließ er in die Seele eines Autoliebhabers blicken.

Auch „Africa Twinis“ ist Bühnenstück gewordener Männertraum. Wer Düringer aber gedanklich immer noch unter klassisches Kabarett mit Publikumsansprache und Gag-Feuerwerk ablegt, wird enttäuscht. Bereits im Vorfeld verriet er, das neue Programm sei mehr „Hörspiel mit Licht“.

Ganz so erlebten es die Besucher im rappelvollen Stromboli bei der Tirol-Premiere am Mittwochabend auch: Keine Requisiten lenken von der szenischen Erzählung ab, nur Geräusche aus dem Off, etwa das Knattern der Motoren oder Stimmen aus dem Autonavi untermalen das Geschehen. Die drei Protagonisten (Engelbert, seine Mutter und Luisl) spricht Düringer selbst.

Im Gespräch miteinander stellen sie sich dem Publikum vor. Gegenstück zu „Engerl“ (so wird Engelbert von der „Mama“ genannt, die auch nach ihrem Tod den Sohnemann im Geiste bekrittelt) ist Alois Zankl alias Luisl. Anders als der pedantische und gegen alles (sogar gegen die Sonne) allergische Engelbert begrüßt „Buddy“ Luisl jedes Abenteuer mit einem lässigen „Okidoki“. Übermorgen 15.000 Kilometer durch die Wüste? Kein Problem! Auch wenn seine „Krax“ schon vor der Abfahrt leckt.

Immerhin hatten die Freunde das Abenteuer schon 30 Jahre aufgeschoben. Und wenn das erste Vorhaben 1986 noch an technischen Gebrechen scheiterte, so ist es jetzt höchstens die eigene Unselbstständigkeit, die den Traum platzen lassen könnte.

Mit viel Melancholie und nie allzu aufdringlichem Schmäh nimmt Düringer die Zuhörer mit auf ein Roadmovie, das im Kopf entsteht. Unterbrochen wird der gedankliche Bildfluss höchstens vom Publikum selbst, das Flaschen klirren und Handys blitzen lässt. Der hochfokussierte Düringer nimmt’s mit Humor. Er fesselt bis zum Ende. Den Traum vor Augen, bleibt die Umsetzung aber offen. Manche Träume brauchen Zeit. Folgerichtig resümiert Engelbert: „Dakar is ned ums Eck.“ (bunt)


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