Konstantin Wecker in Telfs: Entspannter Ritt auf der Sympathiewelle

Ein gelungener Konzertabend mit ausgewählter Musik aus 50 Karrierejahren: Konstantin Wecker wird in Telfs gefeiert.

Obwohl gesundheitlich leicht angeschlagen, hat Konstantin Wecker in Telfs sichtlich Spaß an seinem Beruf.
© Thomas Boehm / TT

Von Markus Schramek

Telfs –Konstantin Wecke­r hat viel Glück gehabt im Leben. Eine wunderbar­e Kindheit mit zwei liebevollen Eltern, der Vater ein Opernsänger, mit wenigen Engagements, dafür aber viel Zeit für den Buben, sein einziges Kind. Musik ist Konstantins Leibspeise von klein auf. Als junger Erwachsener dann der rasante Erfolg als Lyriker und Friedensapostel in Gestalt eines Liedermachers.

Doch der frühe Ruhm steigt ihm zu Kopf. „In der Hoffnung, wie ein Zuhälter auszusehen“ (Wecke­r heute über Wecker damals), stolziert er im bodenlangen Nerzmantel durch das heimatliche München und begibt sich in den 90er-Jahren auf unheilvolles Terrain: Drogensucht, Verhaftung, Verurteilung.

Doch Wecker schwimmt sich frei, „wird mit 50 endlich erwachsen“, und zeigt sich nach vollbrachten 24 Studioalben mit aktuell 72 Lenzen gut in Form und bei Stimme. Er ist in Würde älter geworden.

Der bestens gefüllte Rathaussaal in Telfs macht dem Künstler vorgestern Abend die Aufwartung. Und umgekehrt. Drei Stunden lang gibt Wecker für die Fans ein entspanntes, feines Konzert. Es ist ein Abend getragen von gegenseitiger, stets spürbarer Sympathie.

Musikalität gepaart mit Sprachgewandtheit ist Weckers Trumpf-Ass. Er textet, dichtet, rezitiert, ist in seinen Ansagen Motivator und Aufrüttler. Und er hat den Schmäh: „Im Grunde meines Herzens war ich immer ein Frühromantiker, dies für die vielen Deutschlehrer und Germanisten unter euch“, eröffnet er den amüsierten Zuhörern.

Wecker startet allerdings gar nicht lyrisch-schwärmerisch, sondern mit aufwühlendem Blick auf die Gegenwart. Die Alt-68er-Ballade „Will­y“ ist 50 Jahre später mit neuem Text unverändert relevant. Wecker graut vor den Zuständen in seiner deutschen Heimat: AfD und Identitäre, Neonazis, „die braune Brühe, die Landstriche zu überschwemmen droht“, ein rechter Mob, der Jagd auf Ausländer macht.

Nach zehn Minuten politischen Diskurses sieht sich der Sänger ausreichend dort verortet, wo er immer war: deutlich links der Mitte, kämpferisch gegen den Faschismus.

Im Hintergrund sorgt Langzeitweggefährte Jo Barnikel kongenial am Flügel für die Begleitung. Bei ausgewählten Stücken greift Wecker selbst in die Tasten. Die Leichtigkeit ist ihm geblieben.

Es folgen gesellschaftspolitische Ansagen in Liedform („Den Parolen keine Chance“), schmachtende Balladen („Liebeslied“), Hommagen an seine Familie, die Söhne („An meine Kinder“), den Vater („Niemals Applaus“). Wecker wechselt den Ton zwischen draufgängerisch-unbeugsam und empfindsam bis ins Herz. Nach etlichen Zugaben erfolgt noch Körperkontakt mit dem Publikum. Bei „Questa Nuova Realt­à“ schlendert Wecker mit dem Mikro durch die Reihen. Umarmungen, Schulterklopfen.

„Meine Lieder sind klüger als ich“, ist ein Stehsatz des vielseitig Begabten. Aber nicht doch: Wecker ist ein kluger Kopf, der etwas zu sagen hat. Immer noch.

Abschließende Umarmungsrunde quer durch das Publikum im Rathaussaal.
© Thomas Boehm / TT

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