Eltern von Vorarlberger Messeropfer: „Wir wollen keine Hetze“

Nach dem Mord an ihrem Sohn bei den Viaduktbögen planen die Eltern Perauer bei der Dreiheiligenkirche ein Mahnmal „Wider die Gewalt“.

Eine Kerze als ewiges Licht für Michael. Auch seine geliebte Kappe brachte die Familie zum Kircheneingang.
© Fellner Reinhard

Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Bregenz –Am Donnerstag wurde von Innsbrucker Geschworenen die Ermordung des 21-jährigen Bregenzers Michael Perauer bei den Viaduktbögen zumindest strafrechtlich aufgearbeitet. Der schwer schizophrene Täter, ein 25-jähriger Afghane, wurde wegen Gefährlichkeit in eine Anstalt eingewiesen. Seine psychische Erkrankung ist so weit fortgeschritten, dass er vorgestern wohl nicht mehr wusste, was am 25. November 2018 passiert war. Ohne schuldfähig gewesen zu sein, hatte er damals Theresia und Wolfgang Perauer den Sohn und dessen Schwester den Bruder genommen.

Der Umgang der Familie mit der Tat und dem eigenen Verlust ist beeindruckend.

So planen die Bregenzer direkt in Tatortnähe, bei der Dreiheiligenkirche, ein Mahnmal „Wider die Gewalt“ zu errichten. Genau dorthin war die Familie gestern vor einem weiteren Gespräch mit dem Generalvikar der Diözese, Florian Huber, gekommen. Mit dabei eine Kerze für Michael und seine geliebte Kappe. „Das Mahnmal soll den Jugendlichen sagen, dass sie aufmerksamer und achtsamer werden sollen gegen jede Art von Gewalt. Michi war sehr liberal, lebte Frieden und Liebe. Er soll auf diese Weise nicht ganz umsonst gestorben sein“, erklärte Mutter Theresia Perauer Beweggründe für das Mahnmal.

Diese gehen jedoch auch noch in eine andere Richtung. Sie hängt mit dem Täter, einem Asylwerber, zusammen: „Wir wollen keine Hetze gegen bestimmte Menschen, keine Gewalt schüren, sondern – ganz im Gegenteil – deeskalieren.“

Vater Wolfgang zur Tiroler Tageszeitung: „Gerade in dieser Situation hat es schon wehgetan, wie man versucht hat, uns aufgrund des Täters zu vereinnahmen. Viele Türen wären uns da geöffnet worden, sogar die AfD hat sich aus Deutschland gemeldet!“ Familie Perauer nahm diese Türklinken aber nicht in die Hand.

Nach Vorgesprächen mit Bürgermeister Georg Willi und der Diözese hat sich den Perauers spontan der Vorarlberger Künstler Udo Rabensteiner zur Gestaltung und Projektumsetzung des Mahnmals gegen Gewalt angeboten. Wolfgang Perauer: „Der Tod des Sohnes soll so auch einen Sinn ergeben.“


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