Verkehrssünder zahlten 30 Millionen Euro: Hälfte aus Ausland

Verkehrssünder mussten im Vorjahr in Tirol über 30 Millionen Euro zahlen, 24 Mio. überwiesen sie tatsächlich. Ein Rekordergebnis, das auch Ausländern zu verdanken ist.

Symbolfoto.
© Thomas Böhm

Von Thomas Hörmann

Innsbruck –24.299.924,47 Euro: Mit diesem Beitrag unterstützten ertappte Verkehrssünder im Vorjahr unfreiwillig die öffentliche Hand. Ein Rekordergebnis, an dem Deutsche, Italiener und Co. einen erstaunlich hohen Anteil haben. Nicht nur, weil jedes zweite in Tirol geahndete Verkehrsdelikt auf das Konto eines Touristen oder Durchreisenden geht. Sondern auch, weil die Zahlungsmoral der Ausländer mittlerweile fast ebenso hoch ist wie die der Einheimischen. Anders ausgedrückt: Dass ausländische Kennzeichen vorm Zahlen schützen, ist eine Volksweisheit, die ihre Gültigkeit längst verloren hat.

Die Zahlen im Detail: Die Polizei ahndete im Vorjahr in Tirol 700.203 Verkehrsdelikte mit Anzeigen und Organmandaten. Die Behörden stellten den ertappten Verkehrsteilnehmern dafür 30.112.409 Euro in Rechnung. Tatsächlich bezahlt wurden letztendlich die eingangs erwähnten 24.3 Millionen. Das entspricht 80,7 Prozent der verhängten Strafbeträge.

Naturgemäß waren es die Einheimischen, die den Löwenanteil der Strafen zunächst erhielten und dann überwiesen. Ihre Bilanz: 354.144 Delikte, 14,5 Mio. Euro eingefordert, 12,3 Mio. und damit etwa 85 Prozent wurden tatsächlich bezahlt.

Ebenso erwartungsgemäß nehmen die Deutschen Rang zwei in der Verkehrssünder-Statistik ein. Dabei erwiesen sich unsere Nachbarn als halbwegs gut zahlende Gäste: Von den geforderten 6,53 Mio. Euro für 159.646 Delikte flossen 5,1 Mio. nach Tirol. Das entspricht 78 Prozent und einer Zahlungsmoral, die knapp unter dem Durchschnitt liegt.

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Den dritten Platz am Verkehrssünder-Treppchen erklimmen die Italiener. Für 54.811 Delikte zahlten sie 1,54 Millionen Euro, gefordert waren 2,16 Mio. Das entspricht gerade einmal 71 Prozent.

Die „dolce far niente“-Einstellung unserer südlichen Nachbarn ist aber keineswegs der Gipfel der schlechten Zahlungsmoral. So haben beispielsweise die Russen mit 15.200 Euro nicht einmal die Hälfte der geforderten 31.600 Euro überwiesen. Und auch die Franzosen und Engländer pfeifen auf Anzeigen aus Tirol. Ihre Zahlungsquoten: 49 bzw. 54 Prozent. Den letzten Platz belegt der Zwergstaat Andorra: 300 Euro waren gefordert, 300 blieben die Verkehrssünder aus den Pyrenäen schuldig, null Prozent Zahlungsquote.

Aber es gibt auch Musterschüler unter den Verkehrssündern, die sogar die Einheimischen blass aussehen lassen. Etwa die Montenegriner, die zwar nur 31 Verkehrsdelikte begingen, die dafür geforderten 1140 Euro aber bis auf den letzten Cent bezahlten. Auch die finanziell nicht gerade auf Rosen gebetteten Griechen lassen nur wenige Verkehrsrechnungen offen: Beachtliche 91 Prozent der geforderten 142.000 Euro wurden beglichen. Noch besser können das die benachbarten Nordmazedonier: Sie blieben nur 607 Euro schuldig, das entspricht fünf Prozent der Tiroler Forderungen.

Zahlungsmoral hin, Nationalitäten her – fest steht, dass das von (Zu-)Schnellfahrern, Alkohol-Lenkern etc. finanzierte Zubrot für die öffentliche Hand von Jahr zu Jahr größer wird. Ahndete die Tiroler Polizei im Vorjahr über 700.000 Verkehrsdelikte, so waren es 2017 „nur“ 654.513. Und im Jahr zuvor 616.335. Dieser Entwicklung entsprechend stiegen auch die eingenommenen Strafgelder: von 21,4 Millionen 2016 auf 24,3 Millionen im Vorjahr.

Heuer forderten die Tiroler Behörden für 568.000 Delikte 22 Millionen ein, bezahlt wurden knapp 16 Mio. Aber noch ist das Jahr nicht zu Ende.


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