Plus 34 Mio. Euro: Immer mehr Zuschüsse für Tirol Kliniken

Die Spitalsholding Tirol Kliniken mit Innsbruck, Natters/Hochzirl und Hall bleibt ein Sorgenkind: Am Dienstag streicht die Landesregierung rund 222 Spitalsbetten bis 2025. Laut Rechnungshof haben die Tirol Kliniken im Vorjahr 75 Millionen Euro benötigt.

Ab Dienstag beginnt die Operation Spitalsreform in Tirol.
© Thomas Boehm / TT

Von Peter Nindler

Innsbruck — Die Gesundheitsausgaben im Land galoppieren davon. Im nächstjährigen Budget sind 883,5 Millionen Euro veranschlagt, ein Jahr später bereits 916,4 Millionen Euro. Vor allem die Aufwendungen für die Landeskrankenhausholding Tirol Kliniken steigen massiv. Heuer sollen sie beispielsweise knapp unter 100 Millionen Euro gedrückt werden. Der vorliegende Bericht des Landesrechnungshofs zum Rechnungsabschluss des Landes für 2018 fällt deshalb für die Tirol Kliniken ernüchternd aus.

Allein ihr Betriebsabgang betrug im Vorjahr 70 Millionen Euro, insgesamt, so der Rechnungshof, musste das Land jedoch 75 Millionen Euro aufwenden. Zur Abgangsdeckung seien im Vergleich zu 2017 rund 34,0 Millionen Euro oder plus 83 Prozent notwendig gewesen, heißt es. Doch damit nicht genug: Erhöht hat sich auch der Liquiditätsbedarf der Tirol Kliniken, er ist seit 2015 jährlich angestiegen. „Die Steigerung im Vergleich zum Vorjahr betrug rund sieben Prozent."

Tilg muss jetzt liefern

Die schwarz-grüne Landesregierung muss deshalb gegensteuern. Bereits heute soll die Reform des Tiroler Krankenanstaltenplans bis 2025 als Verordnung beschlossen werden. Schlussendlich soll es tirolweit in den zehn Krankenhäusern 222 Betten weniger geben, derzeit sind in der Prognose erst 149 vorgesehen — weil die Frage des Landeskrankenhauses Natters noch nicht geklärt ist. Im Großraum Innsbruck mit Schwaz sind 147 Betten weniger vorgesehen, Osttirol verliert 66. Dafür gibt es zusätzliche Schwerpunkte mit Betten in Zams/Reutte sowie St. Johann/Kufstein.

Jetzt muss Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) liefern: Mit der Reform des Tiroler Krankenanstaltenplans bis 2025 erwartet sich nämlich Finanzreferent und Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) zumindest eine spürbare Kostendämpfung der jährlich steigenden Spitalskosten. Die Umsetzung in den vier Landeskrankenhäusern der Tirol Kliniken mit dem Aushängeschild, der Innsbrucker Klinik, sowie den sechs Bezirksspitälern Reutte, Zams, Schwaz, St. Johann, Kufstein und Lienz kann mit dem heutigen Beschluss in der schwarz-grünen Landesregierung beginnen. Bis in fünf Jahren soll die Anzahl der Betten auf unter 4000 gedrückt werden. In einem ersten Schritt werden es 149 weniger sein, insgesamt will das Land um 222 Betten reduzieren.

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Verbesserungen bei Personalkosten erwartet

Zurückgestellt wurde vorerst die Neuaufstellung des Landeskrankenhauses Natters, die ursprüngliche Verlagerung der Lungenheilkunde und der Inneren Medizin nach Innsbruck bzw. Hall musste aufgrund breiter Proteste gestoppt werden. Die Zielsetzungen sind jedoch klar, wenngleich die Optimierung des Angebots noch nicht ganz gelungen ist: Durch die Verlagerung von Leistungen aus dem vollstationären Bereich in den tagesklinischen bzw. spitalsambulanten Bereich können Belagstage reduziert werden. Im Zusammenhang mit der Reduktion von schlecht ausgelasteten vollstationären Kapazitäten werden Verbesserungen bei den Personalkosten erwartet.

Weiters soll die Einrichtung von zentralen ambulanten Erstversorgungseinheiten in Tirol ebenfalls die Krankenhaushäufigkeit der Bevölkerung senken und zur Kostendämpfung beitragen. Im Tiroler Zentralraum mit Innsbruck, Natters/Hochzirl, Hall und Schwaz sind jedenfalls 147 Betten weniger vorgesehen. Lienz verliert 66, die Regionen West und Ost erhalten schwerpunktmäßig zusätzliche Spitalsbetten dazu.

Ankommen wird es vor allem auf die Innsbrucker Klinik. Schließlich geraten die Tirol Kliniken immer stärker unter Druck. Das zeigt jetzt auch der Landesrechnungshof auf. In seinem Bericht zum Rechnungsabschluss des Landes für 2018 weist er auf den steigenden Finanzbedarf der Spitalsholding hin. Natürlich fällt das notwendige Gehaltspaket für die Ärzte darunter. Dennoch: Die Personalausgaben der Tirol Kliniken waren 2018 um 22,7 Millionen Euro höher als im Jahr zuvor. Und der Liquiditätsbedarf hat sich ebenfalls um sieben Prozent erhöht.

Die Vorgabe für das heurige Jahr war deshalb ein Abgang von maximal 99,5 Millionen Euro. Im Vorjahr musste das Land Tirol bereits 75 Millionen Euro zuschießen. Die Einsparungen sollen in einem ersten Schritt rund zehn Millionen Euro betragen.


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