Chef des Casinos-Aktionärs Szaka fordert prominente Rücktritte

„Ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagt Ex-T-Mobile-Austria-Chef Robert Chvatal zur Casinos-Affäre. Der nunmehrige Chef der tschechischen Szaka sucht in der Causa die Kooperation mit der Staatsholding ÖBAG. Notfalls will er einen Hilferuf an Sebastian Kurz (ÖVP) senden.

Symbolfoto.
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Wien – Der tschechische Casinos-Austria-Aktionär Sazka fordert nach den Turbulenzen beim teilstaatlichen Glücksspielkonzern eine umfassende personelle Erneuerung. Sollte diese von den beiden weiteren Aktionären – dem Staat und dem Wiener Glücksspielkonzern Novomatic – nicht mitgetragen werden, hofft Sazka-Chef Robert Chvatal auf ein Machtwort vom – wohl künftigen – Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Chvatal „schockiert“

Chvatal, der vor seiner Rückkehr nach Tschechien T-Mobile Austria leitete, zeigte sich über die Vorgänge rund um die Besetzung von Casinos-Finanzchef Peter Sidlo „schockiert“. „Wir glauben, dass da Einzelpersonen in absolut inakzeptabler Weise und nicht zum Wohle des Unternehmens gehandelt haben. Die sollten persönliche Konsequenzen ziehen“, so Chvatal im Standard (Dienstag-Ausgabe).

Nationalrats-Sondersitzung im Livestream

Die Causa Casinos beschäftigt nicht nur die Justiz, sondern heute auch den Nationalrat in Form einer Sondersitzung. Die Debatte dazu auf Antrag der SPÖ mit Unterstützung von Grünen und NEOS beginnt um 13 Uhr. Wir übertragen die Sitzung ab 13 Uhr hier im Livestream.

Konkret gefragt, ob er damit seine drei Kollegen aus dem Aufsichtsratspräsidium der Casinos Austria (Casag) meint – nämlich Raiffeisen-Generalanwalt Walter Rothensteiner, Novomatic-Chef Harald Neumann und Ex-Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) – sagte Chvatal: „ Von denen, die laut den medial veröffentlichten Informationen geheime Deals vorbereitet und sich in den Chat-Gruppen unterhalten haben. (...) Alle, die hinter den Hintergrunddeals gestanden sind. Denn da haben Leute gegen das Interesse der Gesellschaft agiert und ihre eigenen Nebeninteressen verfolgt.“

Chvatal erzählt in dem Interview, wie in einem Erstgespräch mit Sidlo dieser sofort Online-Spiellizenzen angesprochen hat. Zur Erinnerung: Es steht in der Causa der Vorwurf im Raum, dass dem Ex-FPÖ-Bezirksrat Sidlo von der Novomatic ein Vorstandsposten zugesagt wurde, wenn die FPÖ im Gegenzug für eine Öffnung der Online-Glücksspiellizenzen eintritt. Sowohl Novomatic als auch die FPÖ bestreiten einen Postenschacher, allerdings lassen bekannt gewordene Nachrichten aus WhatsApp-Gruppen zwischen dem Konzern und der Partei auch eine andere Vermutung zu.

Ausmaß hat „Vorstellungsvermögen überstiegen“

Chvatal berichtet weiter, dass es Druck aus dem Aufsichtsrat auf die Sazka gegeben haben, „nicht zu viele Troubles zu machen“. „Wir haben großen Druck gespürt, für eine Person zu stimmen, die eindeutig und ohne jeden Zweifel unzureichende Berufserfahrung für eine CFO-Position in so einem großen Glücksspielunternehmen hat. Nun wissen wir, wieso ...“, so der ehemalige T-Mobile-Austria-Chef. Der Ausmaß des Postenschacher habe sein „Vorstellungsvermögen überstiegen“. „Ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagte er dem Standard.

Zur weiteren Vorgangsweise hielt Chvatal - wohl kaum zur Freude von Mitaktionär Novomatic - fest: „Wir glauben fest daran, dass sich die beiden größten Aktionäre, Sazka und ÖBAG, mit zusammen 71 Prozent rasch gemeinsam auf das Wohl des Unternehmens, künftiges Management, Strategie und Geschäft verständigen sollten. Wir, Sazka und ÖBAG, sollten die Reset-Taste drücken und gemeinsam die Casag kontrollieren. Und keine Deals im Hintergrund tolerieren.“

Sollte die Staatsholding ÖBAG – die die Interessen des Staates in den teilstaatlichen Unternehmen Casinos, Post, Telekom Austria und OMV vertritt und dem Finanzministerium untersteht – nicht zustimmen, würde ihn das „schocken“. „Wir würden auf die neue Regierung warten und uns an die nächste Ebene wenden: an den Bundeskanzler. Denn wir haben Vertrauen in Herrn Kurz“, so Chvatal. (APA)


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