Fachkräftemangel: „Analysen und Studien liegen genug vor“

In Österreich fehlen Tausende Fachkräfte. René Tritscher unterstützt als „Work in Austria“-Chef Betriebe bei der Suche nach Experten im Ausland.

Qualifizierte Arbeitskräfte aus anderen EU-Staaten sollen nach Österreich geholt werden, um den massiven Fachkräftemangel zu lösen.
© iStock/industryview

Von Cornelia Ritzer

Wien –Die IT-Branche hat sich in den vergangenen zehn Jahren – auch durch die Digitalisierung – gewandelt. Unverändert blieb der Fachkräftemangel. 2009 wurde vor einer „herannahenden Flutwelle offener Stellen“ gewarnt, auch aktuell mangelt es der IT-Branche an Nachwuchs. Derzeit fehlen 10.000 Fachkräfte, bis Ende 2020 könnten es bereits 20.000 sein.

Die Suche nach qualifizierten ITlern (und anderen Fachkräften) im Ausland ist eine der Hauptaufgaben von René Tritscher, der Anfang November die Leitung der neuen Abteilung „Work in Austria“ in der Austrian Business Agency übernommen hat. Der Service richtet sich an heimische Unternehmen, die erfahrene Mitarbeiter aus dem Ausland anwerben möchten. Tritscher ist davon überzeugt, „dass qualifizierte Zuwanderung eine Möglichkeit ist, den Fachkräftemangel in Österreich einzudämmen“.

Ein Fokus liege deshalb unter anderem auf IT-Fachkräften, da „Studien belegen, dass eine IT-Fachkraft drei weitere Arbeitsplätze in anderen Bereichen schafft“, erklärt Tritscher, zuletzt Generalsekretär im ÖVP-Wirtschaftsbund. Auch Experten für die Metall- und Elektrotechnik, die für die Industrie eine wesentliche Zuliefererrolle spielen, sollen für heimische Unternehmen gewonnen werden. Tritscher: „Beim Rekrutieren von Fachkräften im Ausland konzentrieren wir uns auf Berufsfelder, die eine möglichst hohe Hebelwirkung für den Wirtschaftsstandort und eine hohe Relevanz für die Volkswirtschaft haben.“

Beginnen will man die Fachkräfte-Suche in den EU-Staaten Polen, Rumänien, Bulgarien, Kroatien und Griechenland. „Wir haben uns für diese EU-Mitgliedsstaaten entschieden, weil es auf Basis der geltenden Arbeitnehmerfreizügigkeit einfacher für die Menschen ist, mobil zu sein“, sagt Tritscher. Weitere Kriterien waren ein vergleichbares Bildungssystem, soziale und kulturelle Ähnlichkeiten sowie Communitys dieser Nationen in Österreich. Auch die demographische Entwicklung in den Ländern sowie die Beschäftigungssituation, etwa die Jugendarbeitslosigkeit, spielten bei der Analyse eine Rolle. Tritscher: „Für uns sind das geeignete Länder, wo wir uns Chancen ausrechnen, dass Fachkräfte nach Österreich kommen.“

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Wichtig sei auch die Überzeugungsarbeit in den Unternehmen, „den Blick über die Grenzen zu wagen und nicht nur in Österreich zu warten, bis sie Personal finden“. Und Tritscher betont, dass der qualifizierte Zuzug „kein Lohndumping ist, wo ausländische Arbeitskräfte Österreichern einen Job wegnehmen“. Kritik an einer Öffnung des Arbeitsmarktes für Menschen aus Drittstaaten kommt bekanntlich von der Gewerkschaft, die Lohndumping befürchtet. Vielmehr sucht man laut Tritscher Mitarbeiter, deren Qualifikation hierzulande fehlt. Auch sei in der politischen Debatte um Asylwerber in Ausbildung „nicht zwischen dem qualifizierten Zuzug von ausländischen Fachkräften und dem Asylwesen“ unterschieden worden. Der „Work in Austria“-Geschäftsführer plädiert für eine „saubere Trennung“ der Themen, denn: „Wir fokussieren uns auf den qualifizierten Zuzug, nicht auf das Asylwesen.“

Anläufe, offene Stellen mit guten Mitarbeitern zu besetzen, gab es viele. Tritscher will mit „Work in Austria“ bereits laufende Initiativen – ob von den Bundesländern oder dem Bund – bündeln und mit den Außenwirtschaftsorganisationen der Wirtschaftskammer zusammenarbeiten. „Wenn man die vielen Akteure zusammenführt, kann man gemeinsam mehr erreichen.“ Zwar sei das Problem nicht kurzfristig lösbar, wird aber laut Tritscher sofort angegangen: „Analysen und Studien liegen genug vor, wir beginnen mit der Umsetzung.“


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