Augenblickskunst, die Spuren hinterlässt

Die Offtanz-Tirol-Produktion „die spur. einer chance“ im Brux.

Nichts bleibt unbeobachtet, uninszeniert: Eva Müller und Tamara Maksymenk­o und die Fotografin Cristina Schmölz in „die spur. einer chance“.
© Puteanu

Innsbruck –Wer lebt, hinterlässt nolens volens Spuren. Und ist zumeist darum bemüht, die Deutungshoheit über seine Spuren zu behalten. Durch die Inszenierung etwaiger Spuren im virtuellen Raum zum Beispiel, der es erlaubt, ja einfordert, Urlaubsschnappschüsse zu idyllischen Momentaufnahmen hochzufiltern oder gelungene Nachtischkreationen als zeitlose Meisterwerke auszuleuchten. Zumeist bemüht sich darstellende Kunst – Schauspiel genauso wie Tanz –, den Kontrast zu diesen Kunstwelten zu unterstreichen. Tanz etwa feiert den Ausdruck und das Erleben des Augenblicks, der sich nicht wirklich konservieren lässt. Mit „die Spur. einer chance“ drehten die Choreografin Emmanuelle Vinh und der Musiker Andreas Tentschert diese Überlegung radikal um: Jeder Ton wird Bewegung und jede Bewegung hinterlässt Spuren, als Farbklecks auf Veronika Stembergers Bühnenbild und auf dem Körper der beiden Performerinnen Eva Müller und Tamara Maksymenko, aber auch auf Fotos, die nicht heimlich aus dem Publikumsraum, sondern offensiv als Teil der Choreografie geschossen werden. An drei Abenden war „die Spur“ als Uraufführung durch Offtanz Tirol nun im Innsbrucker Brux zu erleben. Und jeder Abend hat Spuren hinterlassen. Weil die Farben, in die die Tänzerinnen Hände und Füße tauchten, wechselten und der Tanz des Vorabends überschrieben und damit weitererzählt wurd­e. „die spur. einer chance“ überzeugte als durchaus heitere, mitunter auch dramatische Reflexion über die Macht und Manipulationsanfälligkeit von Bildern. (jole)

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