„Roller Derby“: Geballte Frauenpower auf acht rasenden Rollen

„Roller Derby“ verbindet Rollschuh-Action mit feministischem Bewusstsein. In Innsbruck finden nun erstmals Österreichische Meisterschaften statt.

Wer Angst vor blauen Flecken hat, ist beim „Roller Derby“ falsch. Die Angreiferin der „Fearless Bruisers“ (mit Stern am Helm) erkämpft sich ihren Weg durch die Gegnerinnen.
© Yann Mayer

Von Viktoria Gstir

Innsbruck –Beim rasanten, körperbetonten Vollkontaktsport „Roller Derby“ spielen nur Frauen die Hauptrolle. Die „Fearless Bruisers“ sind das einzige Team Tirols – und Innsbruck am Wochenende erstmals Austragungsort für Österreichische Meisterschaften. Dabei steht für die Teilnehmerinnen nicht nur die Faszination für den Sport im Zentrum, es geht um viel mehr: eine politische Haltung. Gegen Homophobie und gemeinsam für Feminismus, das ist ihr Motto.

Berührungsängste darf eine Rollschuhläuferin keine haben. Das wird beim Training in der in Halle der HTL Anichstraße schnell klar. Die Frauen sind gut drauf und sichtlich heiß aufs Training. Nach kurzem Aufwärmen geht es los. Drängeln. Schubsen. Blocken. Nur zehn Minuten dauert es, bis es das erste Mal knallt: Zwei Spielerinnen stoßen gegeneinander. Das ist nicht ohne, denn die Geschwindigkeit kann bei einer routinierten Rollschuhläuferin schon mal bis zu 40 km/h betragen. Passiert ist ihnen nichts. Sie sind hart im Nehmen. Beide lachen und rufen sich ermunternde Worte zu.

Die Verletzungsgefahr ist trotzdem nicht zu unterschätzen. Deshalb ist das Tragen von Mundschutz, Helm, Ellbogen- und Knieschützern Vorschrift. Es passiere vergleichsweise wenig, erklärt Elisabeth Lun von den „Bruiser­s“. „Blaue Flecken gehören allerdings zum „Standardrepertoire“: „Auf die ist man stolz, man zeigt sie gern her“, betont sie grinsend.

„Roller Derby“ kommt ursprünglich aus den USA – und ist auch eine Art Showsport. Darum tragen die Frauen im Team auch kreative Künstlernamen wie Loonattack, Stevil Wonder oder Frida K. O., die unübersehbar auf ihren T-Shirts stehen.

Die „Fearless Bruisers“ wurden im Jahr 2016 gegründet. Sie hatten eine Ausschreibung der Tiroler Kulturinitiativen (TKI) gewonnen. Diese einmalige Förderung lieferte das Startkapital, um den Verein aufzubauen. Heute finanzieren sie sich zum Großteil durch Mitgliedsbeiträge (60 Euro pro Semester).

Der Sport ist komplex, für einen Laien wirkt er anfangs chaotisch. Die Spielerinnen fahren gegen den Uhrzeigersinn auf einer ovalen Bahn die Runde. Zwei Teams treten gegeneinander an. „Im Spiel gibt es zwei Grundpositionen, die Jammerin (Angreiferin) und die Blockerin“, erklärt Teammitglied Stephanie Thaler. Die „Jammerin“ erkennt man leicht am Stern auf ihrem Helm. Sie muss – in zwei Minuten – möglichst viele Gegnerinnen überholen. Dabei wird sie geblockt. „Je mehr sie überholen kann, desto mehr Punkte bekommt sie.“

Mitmachen kann bei den „Bruisers“ jede, sobald sie den standardisierten Anforderungstest absolviert hat. Blocken und Bremsen muss beherrscht werden. Anfängerinnen werden nur einmal im Jahr aufgenommen und bilden eine eigene Klasse. Auch Männer können teilnehmen, allerdings „nur“ als Schiedsrichter oder Cheerleader.

Bei den Österreichischen Meisterschaften, die am Samstag und Sonntag im Landessportcenter steigen, empfangen die Innsbruckerinnen die Knockouts aus Salzburg, die Steelcity Rollers aus Linz, die Dust City Rollers aus Graz und Vienna Roller Derby aus Wien. Die Veranstalterinnen hoffen auf viele Fans, Details gibt’s auf der Facebookseite der „Fearless Bruisers“.


Kommentieren


Schlagworte